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Wort an die Leser
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst!

»Präsent predigen«, so lautet der Titel einer eben erschienenen homiletischen Streitschrift; die evangelischen Theologen Alexander Deeg, Michael Meyer-Blanck und Christian Stäblein haben sie herausgegeben. Der Titel ist Pro- gramm: Die kommunikative Präsenz der Prediger macht die Predigt zur Ver- kündigung. Man kann hinzufügen: Menschlich-kommunikative Präsenz darf der Präsenz Gottes – seines Wortes – in dieser Feier dienen. Aber nun kommt die polemische Absicht dieses Büchleins ins Spiel: Kommunikative Präsenz der Prediger(innen) hängt nicht daran, dass die Predigt möglichst spontan und ohne Manuskript vorgetragen wird. Lange galt es als Forderung der homiletical correctness, dass die Predigt nicht als Manuskript ausformuliert sein, sondern gleichsam spontan entstehen sollte, was allerdings voraussetzte, dass man sich gut darauf vorbereitete, dass sie im Augenblick des Gottesdienstes wirklich als Verkündigung des Gottesworts entstehen konnte – nicht nur als selbstverliebtes Kreisen um die immergleichen Lieblingsgedanken, die einem kommen, wenn einem gerade nichts anderes einfällt.

Wenn die Verfasser sich gegen »die Ideologisierung der ›freien‹ Kanzelrede« wenden, so darf man vielleicht vor falschen Alternativen warnen. Aber immer- hin: Der Verzicht aufs Manuskript war nicht selten Freibrief für eine Vorberei- tung, die allenfalls über den theologischen Daumen gepeilt war und die Präzision des Gedankens und der Anrede vermissen ließ. Wie kann man kommunikativ präsent sein, wenn man ganz damit beschäftigt ist, den Gedankenablauf auf die Reihe zu kriegen und um passende Worte zu ringen. Warum sich nicht der Disziplin unterwerfen, die Predigt verbatim auszuarbeiten, sie vielleicht sogar auf den Ambo zu legen, aber nicht abzulesen, sich frei zum Manuskript zu verhalten und es zu konsultieren, wenn es mir hilfreich scheint, etwa wenn ich den Wortlaut eines Zitats oder einer zentralen Formulierung brauche.

Wer frei mit dem Manuskript umgehen kann, bindet sich nicht an den einmal gefundenen Wortlaut. Greift er auf ihn zurück, wirkt das nicht als Notmaßnahme in der Verlegenheit des Steckenbleibens – wenn die Predigt im »normalen«, nicht zu schnellen Sprechtempo gesprochen wird. Wer nachdenklich spricht, kann auch Formulierungsreserven zu Rate ziehen. In der Nachdenklichkeit öffnet sich Präsenz. So kann es jedenfalls sein. Ich grüße Sie im Namen der Redaktion herzlich

Jürgen Werbick

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