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Leseprobe 2
Zum Priesterjubiläum
Geht – verkündet – heilt (Phil 2,5–11)
Mit einem dreifachen Auftrag sendet Jesus seine Jünger: »Geht – verkündet – heilt«.

Geht
»Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch«, schreibt der hl. Augustinus. Darum hielt es Gott nicht im Himmel, er wollte zu den Menschen. Der Philipperbrief umschreibt das so: »Er hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein …, wurde wie ein Sklave und uns Menschen gleich.«
Michael Ende erzählt in seinem Buch »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«: Jim Knopf, Lukas und die Lokomotive Emma sind in der Wüste unterwegs. Plötzlich sehen sie am Horizont einen Riesen. Sie erschrecken und wollen fliehen. Doch da hören sie den Riesen mit einem dünnen Stimmchen rufen: »Lauft nicht weg, bitte! Alle haben Angst vor mir und laufen weg.« Sie bleiben stehen und der Riese kommt näher. Dabei geschieht etwas Überraschendes: Je näher der Riese kommt, desto kleiner wird er. Als er schließlich neben ihnen steht, ist er nicht größer und nicht kleiner als sie selbst. Erstaunt fragen sie ihn: Wie kommt denn das? Aus der Ferne machst du uns mit deiner Größe Angst und nun bist du genauso groß wie wir. Da sagt ihnen der Riese: »Jeder Mensch hat ein Geheimnis. Bei den anderen ist es so: je weiter sie sich entfernen, desto kleiner erscheinen sie. Bei mir ist das umgekehrt. Je weiter ich entfernt bin, desto größer erscheine ich. Je näher ich komme, desto mehr erkennt man meine wirkliche Gestalt.«
Das könnte in der Bibel stehen! Vielen Menschen erscheint Gott unendlich groß. Darum haben sie Angst vor ihm. Gott wurde in Jesus Mensch. Der große, weit entfernt scheinende Gott kam uns in Jesus ganz nahe, damit wir Menschen seine wirkliche Gestalt erkennen. Darum ging Jesus auf die Menschen zu, nicht zuletzt auf die Kleinen, auf die ganz unten: damit sie Gottes wirkliche Gestalt erkennen – die Gestalt eines menschenfreundlichen Gottes, der für den Menschen Leben in Fülle will.
In diese Dynamik wird hineingenommen, wen Jesus sendet. Diese Sendung ist ein Auftrag, der in Bewegung setzt zu den Menschen:
in die Familien, zu den Kranken, in die Schulen, insbesondere
– ­zu den Verlorenen – die sich verloren fühlen, die heillos sind, voll Sehnsucht nach Erlösung, nach Lebenssinn
– zu allen Menschen und Völkern.
Wer sich von Gott rufen und senden lässt, wird zu keinem bequemen Leben eingeladen. Das ist keine Berufung zur Würde, zum Thronen und Residieren, zum Hofhalten, zum Ruhen in sich selbst und in der göttlichen Gnade. Berufung ist Berufung zum Aufbruch: zu den Menschen! Sie sollen im Gesandten Gottes wirkliche Gestalt erkennen: die Gestalt eines menschenfreundlichen Gottes.

Verkündet
Es liegt nahe, dabei an den Dienst des Wortes zu denken: Sagt den Menschen: »Das Himmelreich ist nah!« Gott ist euch nah, er liebt euch, er will euer Glück, das Gelingen eures Lebens.
Verkündet, Gott allein ist der Herr, keiner sonst! Unsere Welt hat zu viele Herrgötter! Das macht die Welt unmenschlich, denn keiner der kleinen, selbsternannten »Herrgötter« hat das Format, Gott zu sein.
Ihr sollt zu den Menschen gehen und erzählen, was ihr von Gott gehört und gelesen habt. Bringt ihnen das Evangelium nah, so dass sie spüren: Hier geht es um mein eigenes Leben. Ladet die Menschen ein, sich darauf einzulassen, dieser Botschaft zu vertrauen – damit ihr Leben und die Welt heil werden.
Aber das ist nicht alles. Verkündigen ist mehr. Der hl. Dominikus hat seinen Predigerbrüdern ein Leitwort mit auf den Weg gegeben: »contemplata tradere«. Das meint: Was ihr sagt, soll durch euch selbst hindurchgegangen ist. Voraussetzung dazu ist: Ich muss mir selbst Gott vertraut machen – ihn meditieren, studieren, beten, eine lebendige Beziehung zu Gott pflegen.
Bertolt Brecht schreibt: »Kein Mann, dem seine Sache keine Freude macht, darf erwarten, dass sie irgendjemand sonst Freude macht!« Nur wenn mein eigenes Herz voll ist, kann der Mund überfließen.
So verkündige ich nicht nur mit meinen Worten, sondern mit meinem Leben.

Heilt
»Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgestiegen.« So sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Welches Interesse könnte der Mensch an Gott haben, wenn nicht das, dass sein Leben gelingt. Zu solchem Gelingen gehört Heilung.
Es gibt so viel Verwundetes in dieser Welt. Heilen ist priesterlicher Dienst: im Sakrament der heilenden Versöhnung, im Gestalten eines menschlichen Miteinanders in der Gemeinde.
Aber es gibt ja nicht nur Wunden des Leibes, sondern auch der Seele. Und die sind meinst viel schmerzlicher als Wunden des Leibes. Körperwunden verheilen. Wunden der Seele schmerzen oft jahrelang, manchmal ein ganzes Leben lang.
Da ist der Priester gefragt: Suchende, Fragende, Gescheiterte, Ausgegrenzte, Fernstehende: meist sind das sehr verletzte Menschen, manchmal auch von der Kirche verletzte. Gerade bei dem Wort »Fernstehende« ist zu fragen: Wer steht eigentlich wem fern – der Mensch der Kirche oder die Kirche dem Menschen? Sie sind besonders auf den heilenden priesterlichen Dienst angewiesen!
Darum bedarf es der besonderen Aufmerksamkeit gerade auch für sie. Es darf keine Verkündigung geben, ohne sie im Blick zu haben. Es bleibt wichtige Aufgabe, Gescheiterte zu integrieren – gerade auch in einer Kirche, die sich damit schwer tut.
Ich muss als Verkündiger nicht nur ein Mann Gottes sein, ich bin berufen und gesandt, auch ein Mann der Menschen in der Welt von heute zu sein.
Um das leben zu können, ist eine zentrale Grundhaltung des Priesters die Kontemplation: verweilend schauen – auf Gott, auf die Menschen, auf die Ereignisse des Lebens in unserer Welt, bis sie zu reden beginnen – von Gott zu reden beginnen.
Am 17. November 1944, drei Monate vor seiner Hinrichtung, notiert Alfred Delp auf einem kleinen Kassiber, den er aus dem Gefängnis schmuggeln konnte: »Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt es gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt … für alles Schöne und auch für alles Elend.« (Gesammelte Schriften IV, Frankfurt 1984, 26)

Geht – verkündet – heilt
25 (50) stehst du, N. N., nun im priesterlichen Dienst. Das ist eine 25(50)-jährige Geschichte des Aufbrechens und Gehens, des Verkündigens durch Leben und Wort, des Heilens im Sakrament und im Alltag. Du hast einen Beruf, der Freude macht: zu den Menschen gehen und ihnen den guten und heilenden Gott verkünden. Es ist der Dienst den Brückenbauers: Gott zu den Menschen bringen – und die Menschen zu Gott!

Heribert Arens

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