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Leseprobe 2
Zur Beerdigung
»Danke« und »Auf Wiedersehen«

Vorbemerkung: Predigt zum Tod eines 83-jährigen Mannes. (Ein sehr gläubiger Mensch, der ein stilles und bescheidenes Leben geführt hatte. Verstorben nach kurzer schwerer Krankheit)


Der Tag, an dem ein Mensch beerdigt wird, ist nicht unbedingt ein Tag der Freude. Im Gegenteil. Es ist ein Tag, an dem der Verlust eines Menschen so sichtbar wird, so endgültig. Ein Tag der Trauer, der Tränen, nicht selten ein Tag großer Verzweiflung, ein Tag unendlicher Leere. Vielleicht ist es gut, an solch einem Tag etwas zu hören, was froh machen kann. Eine frohe Botschaft zu hören.
Frohe Botschaft oder auch gute Nachricht, das ist die Übersetzung des Wortes Evangelium. Und wenn das Evangelium, so wie heutige Text, dann auch noch beziehungsreich mit dem Menschen in Verbindung steht, der von uns gegangen ist, dann können diese Worte vielleicht helfen – helfen, eine Einstellung zu finden, zum Tod des Mannes, zum Tod des Vaters, des Opas, des Nachbarn, des Freundes, des Bekannten. Eine Einstellung, die mit dem Glauben an die Auferstehung, die mit viel Hoffnung, mit Zuversicht, mit Wiedersehens-Vorfreude verbunden ist.
Als Jesus sagte, dass nur der in das Himmelreich kommen werde, wer den Willen seines Vaters erfülle, an wen mag er da gedacht haben? Vielleicht an Menschen wie W. P. – Wer das Glück hatte, ihm zu begegnen, hat vielleicht eine Ahnung davon, was Jesus gemeint hat, wenn er vom Willen seines Vaters sprach, von der Erfüllung dieses Willens, der an anderer Stelle des Evangeliums deutlich wird, wenn es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

Ich glaube fest, dass W. P. in seinem Leben versucht hat, diesen Willen des Vaters zu erfüllen. Er hat keine großen Worte gemacht, sondern im Stillen das getan, was der Herr ihm aufgetragen hat. Er war ein barmherziger Mensch, ein Mensch, der auch mal fünf gerade sein lassen konnte. Ein Ehemann, der seine Frau über alles liebte, mit der er 53 Jahre verheiratet war. Ein Vater, zu dem seine Söhne, seine Schwiegertochter und die Enkelkindern mit allem kommen konnten, was auch immer sie auf dem Herzen hatten, mit allem, was sie belastete.
Barmherzig ist ein Mensch, dem helfende, umarmende Worte wichtiger sind als Strenge, als Strafe. Barmherzig ist ein Mensch, der die Tür des Miteinanders nicht zuschlägt, sondern auch in Krisensituationen diese Tür immer einen Spalt offen hält, unspektakulär, still. In dieser Haltung war W. P. berechenbar, weil er sich in besonderer Weise durch Zuverlässigkeit auszeichnete. Seine Augenmerk galt der Familie, vor allem auch der Harmonie in der Familie. Wenn er etwas hasste, dann war das Streit, Zank. Hier ausgleichend zu wirken, das war typisch für W. P. Auf seine Art war er ein ganz unauffälliger Handlanger der Liebe Gottes. Und wer schon mal Handlangerdienst geleistet hat, der weiß, dass das nicht mit flotten Sprüchen geschieht, sondern mit Anpacken. Nicht »Herr, Herr« sagen, sondern an die Arbeit gehen. Ohne viel Worte.
Ich denke, hier erkennen wir den Verstorbenen wieder. Ein stilles Leben, ein bescheidenes Leben im Dienst seiner Familie, seiner Mitmenschen, im Dienst der Liebe Gottes. Er selbst hat sich so nie geäußert. Das macht sein Leben, seine Haltung umso glaubwürdiger, ja umso vorbildlicher. Sein Leben, ein Vermächtnis. Er hat in seinem Leben an Jesus Christus geglaubt. Er war sich auch sicher, dass der Herr ihn durch das Tor der Ewigkeit führen würde. Ins ewige Vaterhaus.

Glauben sie nicht, ich wollte W. P. jetzt heilig sprechen. Auch er hatte Schwächen und Fehler. Ich glaube aber, dass seine menschliche Unvollkommenheit in der Barmherzigkeit Gottes gut aufgehoben ist. So dürfen wir fest darauf vertrauen, dass er in den Himmel kommt. Ich glaube, da ist er schon. Wurde ihm doch Seligkeit verheißen, als jemandem, der sich arm wusste vor Gott, als jemandem, der den Frieden geliebt und Barmherzigkeit geübt hat.

Wenn man W. P. im Himmel eine Aufgabe übertragen sollte, könnte diese ganz viel mit Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Frieden und Harmonie zu tun haben. Und wohl auch damit, dass er seine große schützende Hand über seine Familie hält. Sie, liebe Familie P., werden mit dem Verstorbenen jetzt in eine neue Beziehung treten, wenn sie für ihn beten, wenn sie an ihn denken, an seine Lieben und Vorlieben, an seine Hobbys, seine Bücher und Zeitschriften, und vor allem an die vielen guten Gespräche, in denen sie sich besonderes nahe standen. Die schönen, froh machenden Erinnerungen werden ihnen gut tun und ihre Tränen trocknen. Sie werden ein Gefühl der Dankbarkeit empfinden, dass sie einen so lieben Menschen in ihrer Mitte haben durften. Das wünsche ich ihnen auch in dieser Stunde des Abschieds. Sagen wir ein aufrichtiges »Dankeschön, W. P. – und: Auf Wiedersehen«.

Gisbert Wellerdiek

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