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Wort an die Leser
Die meisten Beiträge dieses ersten Heftes kreisen um das Thema Weihnachten. Ich muss bei ihrer Durchsicht an eine Betrachtung aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts denken. Der Autor, der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, meditiert darin das Geheimnis der Inkarnation. Er schreibt: Wäre Gott mit seiner ganzen Macht und Weisheit gekommen, hätten wir Menschen davor kapitulieren müssen. Gott aber »will nicht unsere Kapitulation, sondern unsere Liebe«. Er kommt deshalb zu uns als Mensch, als kleines Kind.

Ähnliches kann man auch vom »Wort Gottes« sagen: Hätte Gott in »seiner« Sprache zu uns gesprochen – wir stünden zwar staunend, aber auch fassungslos davor, vielleicht so ähnlich wie ein Kind, das dem Gespräch Erwachsener lauscht, ohne eigentlich zu verstehen. Das Wort Gottes begegnet uns also immer in menschlicher Wortgestalt, es »inkarniert« sich gewissermaßen in die Welt menschlichen Sprechens und Verstehens. Das bedeutet, auf Gott bezogen, natürlich ein Stück Selbstaufgabe, Selbstbescheidung. Denn es liegt ja auf der Hand, dass in menschlicher Sprache nicht alles Göttliche ausdrückbar ist. Dennoch hat Gott diesen Weg gewählt, hat sich auf menschliche Sprache bezogen, auf menschliches Tun, menschliche Erfahrungen, menschliche Geschichte. Schon hier im Wort Gottes beginnt jene »Erniedrigung« und »Selbstentäußerung« Gottes, die in der Sendung seines Sohnes ihren Höhepunkt findet.

Wenn das schon für das Wort der Bibel gilt, dann trifft es erst recht auf die Predigt zu. Der in ihr sich artikulierende An-spruch Gottes an die Menschen ergeht durch den Mund von Menschen, deren Lebensgeschichte, deren Glaubenserfahrungen und deren Welt- und Gottesbild ihre Verkündigung prägen. Jede Predigt muss sich darum daraufhin befragen lassen, ob es ihr gelingt, das Wort Gottes zur Sprache zu bringen. Eine Predigt, die das Wort Gottes eher verdunkelt als Zugänge zu ihm eröffnet, verfehlt ihren Zweck. Das Wort Gottes bleibt gewissermaßen im Menschenwort stecken. Das Medium erstickt die Botschaft.

Für Ihren Predigtdienst wünsche ich Ihnen, auch im Namen der Redaktion, dass es Ihnen gelingt, inspiriert durch die Beiträge dieses Heftes, den Glauben Ihrer Zuhörer zu stärken, nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen der Menschen zu erreichen, ihnen etwas auf leuchten zu lassen von der »Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes« (Tit 3,4), von der die Lesung des Weihnachtsfestes spricht.

Peter Seul

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