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Leseprobe 1
20. Sonntag im Jahreskreis
I. »Lasst Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen«! (Eph 5,15–20)
Statio
Das hebräische Wort für Weisheit (chokmah) ist, wie das deutsche und griechische Wort (sophia), weiblich. Das ist kein bloßer Zufall, sondern grammatikalischer Ausdruck für die Bedeutung, die »weise Frauen« in der Geschichte Israels hatten. Die Weisheit wird in Israel fast immer als Person, als Frau, gedacht. »Frau Weisheit« wird heute in der erste Lesung vorgestellt als Gastgeberin: Sie lädt die Menschen ein, zum Mahl zu kommen, um dadurch weise und verständig zu werden. Auch wir sind heute zu einem Mahl eingeladen, wo Christus uns unter den Gaben von Brot und Wein immer neu mit seiner Liebe verbindet.
Peter Seul

Singen im Leben der Menschen

Die Stimme gilt als ein Spiegelbild unserer Seele. Wir können mit ihr reden, schreien, flüstern oder krächzen. Wir können ihr unendlich viele Töne entlocken. Wir können mit ihr sogar andere Wesen »verzaubern« – nämlich dann, wenn wir singen! Sie kennen vermutlich die griechische Sage vom Sänger und Dichter Orpheus. Er konnte mit seiner Stimme Steine erweichen und Tiere zähmen, ja er überwand sogar die Grenzen des Todes, als es ihm gelang, in das Totenreich des Hades einzudringen. Keine andere Erzählung hat so eindringlich die Macht des Singens beschworen wie dieser antike Mythos.

Singen aber kann noch mehr! Mediziner sagen: »Wer singt, lebt gesünder«. Denn Singen stärkt die Abwehrkräfte, bringt den Kreislauf in Schwung, hilft beim Stressabbau, fördert die Sprach-, Denk- und Konzentrationsfähigkeit, macht kontaktfreudiger und selbstbewusster und vieles mehr. Die Chorsänger unter Ihnen können das bestätigen.

Ja, Singen wirkt in manchen Fällen wie ein »Anti-Depressivum«: Es kann Menschen mit seelischen Problemen helfen und sie heilen. Sie kennen die Geschichte aus dem Alten Testament: David, der Hirtenjunge und spätere König von Israel, befreit König Saul von dessen depressiven Grübeleien, als er ihn mit seinem Gesang und durch das Spiel seiner Harfe aufheitert.

Singen hat anscheinend sogar einen lebensverlängernden Einfluss. Forscher haben über 12.000 Menschen aus allen Altersgruppen untersucht und dabei entdeckt, dass Mitglieder von Chören eine wesentlich höhere Lebenserwartung haben als Menschen, die nicht singen.

Doch trotz aller Vorzüge, die das Singen für den Menschen mit sich bringt: Chorleiter und Musikpädagogen beklagen, dass Menschen immer weniger selbst singen – auch nicht in der Advents- und Weihnachtszeit, früher die hohe Zeit der Hausmusikabende. Es kommt nur noch selten vor, dass ungeübte Sänger zusammen singen, zum Beispiel in der Kirche an hohen Feiertagen oder in Fußballstadien, wenn die Fans die eigene Mannschaft anfeuern und die gegnerischen Fußballer mürbe machen wollen. Ein Grund für die mangelnde Sangeslust ist sicher die ständig zunehmende Technisierung unsere Alltags: Menschen konsumieren Musik überwiegend per CD-Player oder iPods.

Singen im Dienste Gottes


Musik ist also mehr als bloße Unterhaltung, die das Gemüt besänftigt und uns die Zeit vertreiben hilft. Sie hat eine viel wesentlichere und mehr in die Tiefe gehende Rolle im menschlichen Leben als die des bloßen Zierrats. Das gilt nicht nur für die Musik im profanen Bereich, sondern noch mehr für die Musik in der und für die Kirche!

Musik war mit dem Gottesdienst immer aufs engste verbunden, auch in den Religionen außerhalb des Judentums. Sie spielt in den heiligen Schriften Israels eine ganz besondere Rolle. Das ganze Buch der Psalmen ist eigentlich eine einzige große Gesangspartitur, zu der die Musik uns allerdings fast vollständig verlorengegangen ist. Wir haben heute nur mehr die Angaben für den Chormeister oder die Angabe der Melodie, nach der der Psalm zu singen ist. Wenn wir das Neue Testament ansehen, finden wir vor allem in den Briefen des Paulus eine größere Anzahl von Hymnen. Der Apostel hat Lieder, die die ersten Christen weitergegeben haben, aufgezeichnet, Hymnen, in denen das Bekenntnis zu Christus und das Erlösungsgeschehen in kurzer und prägnanter Form zusammengefasst sind. Sie kennen vielleicht den Hymnus aus dem Philipperbrief (2,6–11), wo der Weg des Gottessohnes aus der Herrlichkeit des Himmels in die Niedrigkeit des Menschseins bis zur äußersten Tiefe eines Todes am Galgen des Kreuzes besungen wird. Andere bekannte Hymnen sind der Lobgesang der Maria, das sogenannte Magnifikat (Lk 1,46ff ) oder Lobgesang des Zacharias, das sogenannte Benediktus (Lk 1,68ff ), die beide Eingang in das Stundengebet der Kirche gefunden haben.

Der Apostel fordert in der heutigen Lesung die Christen in Kleinasien auf, sie sollen bei ihren Gottesdiensten »Psalmen, Hymnen und (geistliche) Lieder« (Eph 5,19) erklingen lassen – im Gegensatz zu den damaligen Trinkgelagen der Heiden, die verbunden waren mit dem grölenden Absingen von weinseligen Liedern (vgl. Eph 5,18). Freilich, so sagt Paulus: Das Singen der Christen muss »aus vollem Herzen« (Eph 5,19) kommen. Es muss getragen sein von der Danksagung, die ihr Tun und Sagen »jederzeit« (Eph 5,20) begleiten soll.

Das Unsagbare singen

Was drängt den Menschen, im Gottesdienst zu singen, also gerade dort, wo der Inhalt des Sprechens sich an der Grenze zum Unsagbaren bewegt, ja alles Sagbare übersteigt? Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat den vielzitierten Satz formuliert: »Wovon man nicht reden kann, davon soll man schweigen«. Philipp Harnoncourt, Theologieprofessor und Bruder des weltberühmten Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, hat diesen Satz abgewandelt und gesagt: »Wovon man nicht sprechen kann, davon kann man, ja muss man singen und musizieren, wenn nicht geschwiegen werden darf«! Musik also erhebt den Menschen über den Alltagstrott, lässt ihn eintreten in eine andere Welt, in die geheimnisvolle Welt Gottes, die nicht mehr von Raum und Zeit bestimmt ist, die nicht mehr mit Sprache beschrieben und Begriffen erfasst werden kann.

Der Dienst der Kirchenmusik

Geisterfüllter Gottesdienst, gehaltvolle Lieder, inspiriertes Singen – all das trägt dazu bei, dass die tieferen Schichten unseres Herzens leichter in Schwingung geraten als beim bloßen Sprechen. All das kann uns auch eine Ahnung, einen Vorgeschmack geben von der alles Begreifen übersteigenden Welt Gottes. Ja, die Musik der Menschen kann sozusagen das Abbild der Musik der Engel im Himmel und Vorgeschmack des zukünftigen Lobgesangs der Seligen in der Gemeinschaft des Himmels sein. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: »In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen teil, die in der Heiligen Stadt Jerusalem, zu der wir pilgernd unterwegs sind, gefeiert wird« (SC 8).

Ich möchte darum heute ein ausdrückliches und großes Dankeschön all jenen sagen, die haupt- und ehrenamtlich im Dienst der Kirchenmusik stehen. Sie setzen Ihre Zeit und Ihre Fähigkeiten für diesen Dienst ein. Es ist ein Dienst an den Menschen und im Dienste Gottes. Die Musik, die Sie uns immer wieder schenken, ist fähig, die Mysterien der Liturgie zu vertiefen und unsere Herzen zu Gott emporzuheben. Dafür Ihnen allen ein herzliches »Vergelt‘s Gott«!

Peter Seul

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