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Leseprobe 1
17. Sonntag im Jahreskreis
I. Wertschätzen, was wir haben – und nachhaltig satt werden (Joh 6,1–15)
Statio
Angenommen wir wären hier nicht nur hundert Personen, sondern – geschätzt – fünftausend. Was für ein Chaos: die Bänke reichten nicht aus, die ganze Ordnung wäre durcheinander, wie sollte das gehen? Und angenommen jemand käme dann noch auf die Idee, dass wir – relativ spontan – diese Fünftausend zum Abendessen einladen? Wie verrückt ist das denn. Das sprengt alle Vorstellungen.

Lassen wir uns in unseren Erwartungen durcheinanderbringen – vom Wort Gottes, das wir gleich hören. Hinterfragen wir unsere Abwehrmechanismen und Machbarkeitsstudien. Vielleicht geht mehr und anderes als wir uns träumen lassen. Denken wir nicht zu klein von Gott und vertrauen wir uns seiner überströmenden Liebe an.
Siegfried Kleymann

»Eigene Ressourcen entdecken und optimieren!« Mit diesem Titel wirbt ein Institut für die teure Teilnahme an einer Fortbildung. Von Ressourcenknappheit ist ja viel die Rede: was die Schätze unserer Erde angeht, in Sachen Finanzen und Personal – nicht nur, aber auch bei der Kirche –, auch was das Zutrauen in eigene Kräfte angeht. Es scheint an allen Ecken und Enden zu fehlen … Verlockend, wenn man da lernen kann, Ressourcen zu optimieren!

Hunger

Jesus war nie auf einer solchen Fortbildung. Mit dem Entdecken von Ressourcen kennt er sich jedoch hervorragend aus. Und wird gehörig missverstanden. Das Evangelium von heute berichtet: Eine große Menschenmenge folgt Jesus und seinen Jüngern durch Galiläa, weil sie Zeichen gesehen hat: Kranke sind gesund geworden. Nun wollen die Menschen mehr erleben. Sie sind sensationshungrig. Jesus geht auf einen Berg. Von hier oben hat er einen besseren Überblick. Vielleicht braucht er auch Distanz. Der Berg erinnert an das Alte Testament. Da ist das Geheimnis der Gegenwart Gottes oft auf Bergen spürbar, zum Beispiel bei Mose auf dem Sinai. Jesus blickt vom Berg auf die Menschen und denkt daran, dass sie Hunger haben und Brot brauchen. Eigentlich haben sie Sensationshunger. Jesus will sie satt machen – anders als sie erwarten. Er fragt Philippus ganz praktisch nach Einkaufsmöglichkeiten. Philippus sieht die Menschenmenge und schätzt die Situation realistisch ein: Brot einkaufen bringt überhaupt nichts! Andreas, ein anderer Jünger, hat eine andere Perspektive. Er bringt einen kleinen Jungen zu Jesus. Der hat zwei Fische – denn unsere Erzählung spielt am See Genezareth, wo man Fisch isst –, und fünf Gerstenbrote.

Dass es ausgerechnet Gerstenbrote sind, soll uns wieder an das Alte Testament erinnern, diesmal an Elischa. In der ersten Lesung haben wir gehört, dass auch zu Elischa jemand mit Gerstenbroten kam. Das Johannesevangelium zieht Verbindungslinien von Elischa zu Jesus. Schon damals bei Elischa sah es überhaupt nicht danach aus, dass die Gerstenbrote für alle reichen. Auch da blieb mehr als genug übrig. Wie damals durch Elischa scheint durch Jesus auf, wie reich uns Gott beschenkt.

Das Entscheidende geschieht einfach


Der namenlose kleine Junge überlässt Jesus die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische. Jesus will, dass die Leute sich ins Gras setzen. Er will keinen Stehempfang, wo es nur »Häppchen« gibt. Das macht die Sache spannend. Wenn man gebeten wird, sich hinzusetzen, gibt es in der Regel »richtig« etwas zu essen, eine sättigende Mahlzeit. Jesus spricht das Dankgebet. Er hält sich an die jüdische Tradition: Der Gastgeber betet vor dem Essen und dankt Gott. Durch dieses Tischgebet wird es erst recht spannend; denn auch dies ist ein Signal: Gleich gibt es etwas zu essen! Jesus dankt für die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische. Das Johannesevangelium überliefert kein Klagegebet, dass Jesus händeringend den Himmel bestürmt: »O Gott, warum hast du uns nur fünf Brote und zwei Fische gegeben?« Oder: »O Gott, was soll aus all denen werden, die lieber Fleisch statt Fisch essen und denen Weizen besser bekommt als Gerste?« Er nimmt das, was der Junge hat, an und dankt unaufgeregt dafür. Er teilt aus, was er hat. Keinesfalls zaubert Jesus etwas aus dem Nichts. Er geht wertschätzend mit dem um, was da ist. Das Zeichen geschieht zwischen Danken, Austeilen und Einsammeln der Reste, sozusagen zwischen den Zeilen. Das Johannesevangelium weigert sich, ganz nah heran zu zoomen und uns die Details zu zeigen. Es heißt einfach: Als die Menge satt war … Also wurden alle satt? Offensichtlich! Aber wie genau, das wird nicht erzählt. Es geschieht verborgen; es geschieht einfach.

Jeder bekommt genug; und am Ende ist so viel übrig, dass es in zwölf Körbe passt. Das ist wieder eine Anspielung auf das Alte Testament: Die zwölf Körbe erinnern an die zwölf Stämme Israels und ihren langen Weg durch die Wüste.

Auch auf diesem Weg hatten sie Hunger – und erlebten, dass Gott sie durch Manna satt werden ließ. Bei Jesus werden die Leute nicht nur satt, sondern es ist mehr als genug da und verdirbt nicht. Jesus ist ein nachhaltiger Gastgeber. Aber er wird missverstanden. Die sensationshungrige Menschenmenge ist immer noch nicht satt. Jesus hat Sorge, dass sie ihn zum König machen wollen. Er will sich nicht mit Gewalt vor ihren Karren spannen lassen. Er entzieht sich, geht wieder auf den Berg. Er verweigert sich Erwartungen. Er hat keine Zaubertricks. Er macht anders satt: Indem er ein Zeichen setzt und annimmt, dankt, austeilt, was die Menschen mitbringen, was da ist. Das kann nachhaltig satt machen. Das ist nicht nichts, vielmehr: Grundstock für überfließende Fülle.

Wir haben nicht nichts!

Das heutige Evangelium hält allen, die Hunger kennen – egal wonach – einen Spiegel vor. Manchmal sagen wir: Wir kaufen uns eine Lösung von außen ein! Zum Beispiel: Eine teure Beraterfirma muss her! Um dann wie Philippus feststellen zu müssen: Wir haben nicht genug Geld; also kann das alles gar nicht gehen. Und manchmal suchen wir einen »König«, von dem wir Wunder erwarten – aber wehe, seine Zauberkraft funktioniert nicht so, wie wir uns das vorstellen! Die eingekauften Lösungen und Zauberer kosten viel Geld, aber machen nicht wirklich satt.

Manchmal sehen wir nicht auf das, was längst da ist, auf die eigenen Schätze und Ressourcen. Der namenlose kleine Junge macht Mut, vor zu kommen und zu zeigen, was wir haben. Dieser kleine namenlose Junge ist ungeheuer wichtig – Jesus braucht ihn! Manchmal sehen wir zwar das, was da ist, aber sagen: Wir mögen keinen Fisch und kein Gerstenbrot, wir wollen ein Fünf-Sterne-Menü. Auch da werden wir nicht nachhaltig satt. Es ist gut, zu sehen und wertzuschätzen, was da ist, was wir haben – egal wie wenig und einfach es scheint. Es kann zum Grundstock überfließender Fülle werden: wenn wir es annehmen, loslassen, dankbar Gott hinhalten mit der Bitte, dass er das Seinige dazu tut, wenn wir es teilen.

Wir haben ja nicht nichts: Unsere Erde ist reich an erneuerbaren Energien, die nachhaltig für alle reichen. Unser Land ist reich an Steuern und an Engagement, so dass es nicht nur für uns reicht. Unsere Kirche in Deutschland ist reich an Haupt- und Ehrenamtlichen, an Gebäuden und Strukturen, auch an Geld – Gott sei Dank, damit kann Gutes geschehen! Unsere Gemeinden sind reich an Menschen, die Musik mitbringen, die ein Händchen für Blumenschmuck haben, die in Gremien fair streiten können – was für wunderbare Gaben! Das ist nicht nichts.

Wie Jesus können wir das, was da ist, Gott hinhalten und sagen:
Danke! Bei Dir, Gott, sind ja noch ganz andere Möglichkeiten.
Du hast uns nicht nichts gegeben.
Schenk uns Zutrauen in die Schätze, die wir längst haben,
und in das, was Du imstande bist, uns immer noch dazu zu schenken.
Schenk uns Dankbarkeit, Mut zum Vorkommen und Loslassen wie der namenlose kleine Junge,
zum Geben – und auch zum Empfangen!
Mach uns reich mit der Erfahrung: Es reicht für alle.
Mach uns satt, denn wir haben Hunger.
Mach uns nachhaltig satt. Das kannst nur Du. Mach uns satt mit Dir.

Hildegard Gosebrink

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