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Leseprobe 2
Zu Erntedank
Laudato si. Zwei Kurzpredigten zur Sorge um das gemeinsame Haus der Schöpfung
I. Laudato si

Br. Stefan Walser OFMCap

»Laudato si´, o mi Signore …« Kaum ein geistliches Lied der vergangenen Jahrzehnte ist so populär und so polarisierend. Für die einen gehört es zu den noch halbwegs bekannten und deswegen beliebten Kirchenliedern. Für die anderen ist dieses Lied »durch«, einfach zu oft gesungen und gehört. Es steht für eine innerkirchliche Gitarren-Romantik, für einen kindlich-fröhlichen, aber etwas weltfremden Glauben.

Schade eigentlich. Denn das altumbrische Lied »Laudato si´« des hl. Franz von Assisi – für Fachleute der Beginn der italienischen Literatur – zeugt von einer weltgewandten und welt-zugewandten Spiritualität. Franziskus will Gott begegnen in dieser Welt und durch alles, was er darin findet. Bewegt von der Erfahrung eines grenzenlos liebenden Gottes, überwindet er politische und kirchliche Grenzen. Er macht sich auf an die geografischen Enden der Erde, an die sozialen Ränder der Gesellschaft und an den existenziellen Grund seiner selbst. So wächst in Franziskus die geschwisterliche Verbundenheit mit allen Wesen, die er im Sonnengesang besingt: »Laudato si´ – Gott sei gepriesen durch, mit und für Bruder Sonne, Schwester Mond, Bruder Wind, Schwester Wasser …« So wächst im gemeinsamen Lob der Geschöpfe die Verbundenheit mit dem Schöpfer auch noch an der letzten irdischen Grenze: Schwester Tod. Franziskus von Rom lässt sich in seiner Enzyklika »Laudato si´« von der Erdverbundenheit und Himmelsweite des Franziskus von Assisi inspirieren. Die universale Weltsicht des Sonnengesangs kommt ihm entgegen. Denn es geht ihm in diesem Schreiben nicht um einige ökologische Imperative, sondern um den besorgniserregenden Gesamtzustand des »gemeinsamen Hauses«. Probleme von Umweltzerstörung, Klimawandel und Artenvielfalt lassen sich nicht trennen von Fragen internationaler Wirtschaftspolitik und sozialen Herausforderungen wie Armut, Gesundheit und Migration. Für beides steht laut Papst Franziskus sein Namensvorgänger: »für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie« (LS 10). Der Heilige aus Assisi genießt zudem Anerkennung und Beliebtheit unter Christen wie unter Nichtchristen. Auch der Papst ist bemüht um einen Dialog mit der gesamten Weltkirche, mit Politik, Wirtschaft und Technik, mit sozialen und ökologischen Initiativen jeglicher Herkunft, kurz: mit allen Menschen guten Willens, um die immer noch Unwilligen und Eigensinnigen vom dringenden Handlungsbedarf in der gemeinsamen Sorge für den Planeten zu überzeugen.

Welche Melodie und Stimmung auch immer bei »Laudato si´« in Ihren Ohren klingt: Im Sinne des umbrischen Heiligen und des argentinischen Papstes geht es nicht um eine blumige Öko-Theologie, sondern um Lebensmöglichkeit und Gerechtigkeit für alle Lebewesen dieser Welt, die wir Glaubenden als Gottes Schöpfung verstehen. Unser christlicher Beitrag ist eine praktische und weltgewandte Spiritualität. Oder mit einem Gebet des hl. Franziskus gesagt: »ein Glaube, der weiterführt, eine Hoffnung, die durch alles trägt, und eine Liebe, die niemanden ausschließt«.



II. Ein Klima für alle

Siegfried Kleymann

»Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen für alle.«(LS 23) Mit dieser programmatischen Aussage eröffnet Papst Franziskus in seiner Schöpfungsenzyklika einen weiten Horizont für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Wenn wir Erntedank feiern, tun wir das in einem weltweiten Zusammenhang. Die Ökologie – die Sorge um das »Haus der Schöpfung« – und der Einsatz für eine größere Gerechtigkeit gehören für Papst Franziskus zusammen: »Alles ist miteinander verbunden: Sorge für die Umwelt und echte Liebe zum Menschen gehören zusammen.« (LS 91)

Die Welt ist für den Papst ein »Sakrament der Gemeinschaft« (LS 9). Wenn die Erde als riesige Mülldeponie einer Wegwerfgesellschaft missbraucht wird, geht das alle an. Wenn unzähligen Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird, betrifft das alle. Wenn das Klima nachhaltig zerstört wird, ist das eine Katastrophe für alle. Eine Katastrophe, unter der aber die Ärmsten besonders leiden.

Die Verbundenheit gilt im Negativen wie im Positiven. Wenn Menschen an einem Ort der Erde Wege für eine nachhaltige Entwicklung bahnen und ihren Konsum von nicht erneuerbaren Energien spürbar einschränken, wirkt sich das auf das gesamte globale System aus. Die »Überzeugung, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist« (LS 16) hat zur Konsequenz, dass die ökologische und die soziale Frage in Zusammenhang gebracht werden – und dass keiner von uns sagen kann: »Ich habe damit nichts zu tun.« Wir alle sind Beteiligte.

Wir feiern heute Erntedank – blicken auf die Gaben der Erde, den Ertrag der Ernte, »die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit« (Gebet zur Gabenbereitung). In wenigen Wochen, Ende Oktober, wird uns beim sogenannten Weltmissionssonntag die globale Dimension des Glaubens vor Augen gestellt. Lassen Sie uns in diesem Monat Oktober im Sinne der Enzyklika »Laudato si« diese beiden Themen – Ökologie und weltweite Gerechtigkeit – miteinander verbinden. Wie wäre es, wenn wir in den kommenden Wochen mit besonderer Aufmerksamkeit auf alle Nachrichten achten, die uns zu Fragen des Klimas, der Ökologie, der Nachhaltigkeit vor Augen gestellt werden? Was verändert sich, wenn wir in einer Art alltäglichem Exerzitienprogramm versuchen, unsere Einkäufe und unseren Energieverbrauch bewusst mit den Augen derer wahrzunehmen, die – ohne an den Gütern der Erde teilhaben zu können – von unserem Konsum mitbetroffen sind? Was geschieht, wenn wir uns bemühen, unsere Interessenlosigkeit zu überwinden und uns durch Nachrichten beunruhigen und verunsichern zu lassen?

Lassen Sie uns in den nächsten Wochen durch eine größere Aufmerksamkeit entschiedener werden für ein gutes Klima auf unserer Erde und so auf den Weltmissionssonntag zugehen – als gemeinsame Verantwortungsträger für die eine Welt als »Sakrament der Gegenwart Gottes«.

Stefan Walser / Siegfried Kleymann

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