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Leseprobe 1
Hll. Petrus und Paulus – 29. Juni 2014
I. Stärke in Schwachheit (thematisch)

Zielsatz: Ich möchte die Hörerinnen und Hörer mit dem Beispiel der Heiligen Petrus und Paulus zur Annahme ihrer eigenen Schwächen und Grenzen ermutigen.


Mit Schatten leben

Keiner kann über seinen Schatten springen, sagt man. Einmal abgesehen davon, dass der Satz manchmal als etwas voreilige Entschuldigung gebraucht wird: In dieser Bildrede drückt sich viel Erfahrung aus. Im Leben eines jeden Menschen gibt es wohl Stellen, die besser nicht der Sonne ausgesetzt sind. Sie bleiben besser im Schatten. Und der geht mit einem, als wäre er angeklebt. Darum kann man auch nicht drüber springen. Und die Folge?

Man erzählt von einem Mann, den der Anblick seines Schattens so sehr ängstigte, dass er beschloss, ihn hinter sich zu lassen. Er sagte zu sich: »Ich laufe ihm einfach davon.« So stand er auf und lief davon. Aber sein Schatten folgte ihm mühelos. Da sagte er zu sich: »Ich muss schneller laufen.« Also lief er schneller und schneller und schneller, lief so lange, bis er tot zu Boden sank (nach Thomas Merton).

Wie kann ich sinnvoll leben mit den Schattenseiten meines Lebens? Wie kann ich verantwortlich umgehen mit meiner Schuld und meinem Versagen? Gibt es jemanden, der mich dennoch akzeptiert, auch wenn ich mich selbst nicht annehmen kann?

Stationen eines Lebens I

Im Leben der beiden großen Heiligen kann ich Hinweise finden.

Da ist zunächst Petrus. Eher einfach ist seine Herkunft; von Beruf Fischer. Er verlässt sein Boot um Jesu willen. Ein großer Glaube muss ihn beflügelt haben. Der erste Apostel wird er, der Grundstock, der Fels. Temperamentvoll bekennt er: »Du, Jesus, bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.« – Eine glanzvolle »Glaubenskarriere«, könnte man meinen. Immer, wenn etwas Entscheidendes während des öffentlichen Wirkens Jesu geschah, war Petrus dabei. Aber mindestens einmal war das menschlich betrachtet geradezu eine Katastrophe. Darstellungen des Petrus in der Kunst zeigen diese tiefschattige Schlüsselszene seines Lebens: Eine nachdenkliche Figur mit einem Hahn in der Nähe, der offensichtlich gerade gekräht hat. »Ich kenne den Menschen nicht!« Angst und Feigheit waren stärker als aller Glaube. Aber als der Hahn krähte, da weinte er. Und sein Herr lässt ihn nicht fallen. Dreimal hatte er Jesus verleugnet; dreimal bekommt er vom Auferstandenen die Chance zum Zeugnis seiner Liebe. Erst dann gebühren ihm die Schlüssel des Himmelreiches.

Stationen eines Lebens II

Bei Paulus fing alles ganz anders an. Er ist Akademiker, hat eine solide Ausbildung. Er kennt sich aus in den Schriften Israels. Die neue Religion der Christen ist ihm ein Dorn im Auge. Als man sie verfolgt, macht er mit. Als Stephanus gesteinigt wird, ist er mit dem Mord einverstanden. Doch dann greift Gott offensichtlich in sein Leben ein und wirft alles um. Aus der Glut des Verfolgers wird das geläuterte Feuer des Missionars. Lange hat es gedauert, bis er sich rückhaltlos hinwandte zu dem, den er vorher bekämpfte. Darum weiß sich Paulus unter den Aposteln auch als Außenseiter. »Missgeburt« nennt er drastisch sich selbst. Sein Start war schlecht. Aber er verleugnet seine Vergangenheit nicht, obwohl sie ihm vermutlich Misstrauen eingetragen hat. Einem Apostaten ist nie ganz zu trauen. Doch vor Gott weiß er sich sicher. Was er geworden ist, kann er nicht seiner eigenen Leistung zuschreiben, sondern nur der wirksamen Gnade Gottes; »nur durch sie ist er geworden, was er jetzt ist« (J. Blank).

Originale

Als schließlich beide zusammen während ihres Lebens im Dienste ihres Herrn und des Evangeliums unterwegs waren, da gingen sie keineswegs immer Arm in Arm. Sie waren bei weitem nicht immer einer Meinung. Es gab sogar offenen Streit zwischen ihnen. So haben eben auch große Heilige ihre Kanten, die scharfe Schatten werfen. Sie sind aus knorrigem Holz – eben Originale und keine Kopien.

Leben mit dem Schatten

Keiner kann über seinen Schatten springen, sagt man. Niemand kann ihm davonlaufen, das ist wahr. Aber vor Gott braucht das auch niemand. Paulus hat das einmal wunderschön in einem Satz zusammengefasst. Von Gott weiß er: »Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit« (2 Kor 12,9).

Das zeigt sich im Leben der beiden Heiligen. Das darf aber auch uns ein Trost sein angesichts der Schatten in unserem Leben; wenn wir merken, dass wir in der Theorie des Glaubens wahre Weltmeister sind, in der Praxis jedoch blutige Anfänger. Wir dürfen unsere Grenzen akzeptieren, weil Gott uns mit ihnen akzeptiert.

Heinz Kombrink

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