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Leseprobe 2
Zur Beerdigung
II. Österliche Verwandlung

Vorbemerkung: Das Bild, das im Mittelpunkt der zweiten Bild-Predigt steht, ist erhältlich über das Gottesdienst-Institut der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. Die Ansprache ist in der vorliegenden Form ohne konkrete biographische Anknüpfungen gehalten, die an den entsprechenden Stellen – zur Gemeinschaft im Angesicht des Todes; über Lebenszuwendung und Freude; zur Erfahrungen der Dunkelheit; über das Vertrauen in den lebendigen Gott – eingefügt werden können.


Das Schmetterlingsreliquiar aus der Schottenkirche in Regensburg


Jahrhundertelang war es versteckt. Unsichtbar und doch gegenwärtig war es in einem gotischen Kreuz verborgen: ein Kleinod in der Form eines Schmetterlings. Als das Kreuz aus der St. Jakob-Kirche in Regensburg anlässlich einer Restaurierung untersucht wurde, kam der Schmetterling aus dem Holz des Kreuzes ans Tageslicht. Im 14. Jahrhundert hatten Künstler die vergoldete Emailarbeit für einen Kreuzespartikel angefertigt und dann in den Hinterkopf des Gekreuzigten gegeben. Der Holzsplitter vom Kreuz Jesu – ob es nun wirklich vom historischen Kreuzesbalken stammt, mag dahingestellt bleiben – und die kleine Schmetterlingsfigur waren über lange Zeit verborgen für die Augen, eingegraben in die Figur des Gekreuzigten, von den Menschen im Gebet betrachtet und als Hoffnungszeichen verehrt.

Wir sehen das Bild des 4 x 5 cm großen Schmetterlingsreliquiars auf dem Totengebetszettel für unseren Verstorbenen. In die farbigen Konturen der Schmetterlingsflügel ist eine Kreuzigungsgruppe gestellt: Jesus, Maria und Johannes. Der Gekreuzigte und die beiden, die bei ihm unter dem Kreuz stehen und die den Sterbenden nicht allein lassen, sondern teilnehmen an seinem Tod und an seiner Auferweckung. Die österliche Wandlungsgeschichte des Schmetterlings und die treue Gemeinschaft im Angesicht des Todes sind in diesem Reliquiar wie in der Geschichte Jesu Christi miteinander verbunden. Und sie gehören auch in Ihre gemeinsame Geschichte mit unserem Verstorbenen.

Der Schmetterling als Lebenszeichen

Schmetterlinge sind Zeichen der Lebendigkeit und der Leichtigkeit. Sie sind der Schwerelosigkeit entrissen, locken uns ins Stauen, lassen uns versunken ihrem Flug zuschauen. Frühlingsboten, Sommergefährten. Zur Faszination mag auch beitragen, dass wir von ihrer Raupenexistenz wissen: Dieses lebendige Wesen, das da so unbeschwert und frei vor uns her flattert, ist früher als Raupe über den Boden gekrochen und hat sich dann eingesponnen und ihre Ende als Raupe erwartet. Dass sich aus der Enge des Kokons das neue Leben des Schmetterlings entpuppt, ist eine wunderbare Verwandlung, die die Herzen von Menschen in allen Generationen angerührt hat. Wieder und wieder wurden die Schmetterlinge als Boten des Lebens und als Zeichen der Verwandlung gesehen. Sie verkörpern die Hoffnung: Was wir jetzt sehen, ist nur ein Teil der Wirklichkeit. Das Leben ist viel mehr, als wir uns vorstellen können. Gottes Kraft wirkt anders, als wir ahnen können.

Durchs Kreuz zur Fülle des Lebens gehen


Im Schmetterlingsreliquiar aus Regensburg wird diese Hoffnung mit Jesus Christus und den Seinen verbunden. Der Schmetterling fliegt hier nicht unbeschwert und frühlingshaft leicht über die zu neuem Leben erwachten Wiesen. In die Farbigkeit seiner Flügel ist die Kreuzigungsgruppe gesetzt; in seinem Inneren beherbergte der Schmetterling einen Kreuzessplitter und er selbst war für lange Zeit in einem Kreuz verborgen. Die Hoffnung auf ein Leben in Fülle, auf österliche Verwandlung, gründet in der Aufmerksamkeit für das Kreuz: für die Einsamkeit, die nicht erfüllten Träume, das nicht gelebte Leben. Im christlichen Glauben wird uns die Engstirnigkeit, die Verlorenheit, das Abgründige des menschlichen Lebens vor Augen gestellt. Wir können es anschauen, weil wir hoffen, dass all das aufgehoben ist in der Ewigkeit des lebendigen Gottes. Im Schlussgebet der katholischen Totenliturgie in der Osterzeit bitten wir für unsere Verstorbenen: »Führe sie vom Tod zum Leben, aus dem Dunkel in das Licht, aus der Bedrängnis in deinen Frieden.« Bitten wir mit Blick auf das Hoffnungszeichen des Schmetterlingsreliquiars für unseren Verstorbenen und für uns selber, dass das Eingeengte aufgebrochen wird und das Ungelöste sich lösen kann und dass wir mit Jesus Christus durch das Kreuz zur Fülle des Lebens gehen.

Siegfried Kleymann

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