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Wort an die Leser
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst!

»Das verstehe ich nicht. Das ist mir völlig unverständlich!« Wer auf ein Geschehnis oder eine Mitteilung so reagiert, spricht zwar zunächst über den eigenen Verstehenshorizont, in dem das Erfahrene oder Gehörte keinen Raum findet. Er spricht aber auch über denjenigen, der etwas gesagt oder getan hat: »Wie konnte der das tun?« Oder: »Was wollte sie damit sagen? Hätte sie sich nicht verständlicher machen können?«

Wenn die christliche Botschaft vielen Zeitgenossen unverständlich bleibt, kann man das auf deren fehlende Bereitschaft schieben, sich um ein Verstehen zu bemühen: »Die verstehen uns einfach nicht! Und sie geben sich keine Mühe, uns verstehen zu wollen.« Zugleich kann es auch sein, dass es am eigenen engen Horizont und an der Unverständlichkeit der Worte und Bilder liegt, mit denen die zentralen Aussagen ausgedrückt werden: »Das alles sagt mir nichts mehr.« Die Prediger und Katechetinnen werden in ihrer Übersetzungsarbeit ständig mit dieser Verstehensproblematik konfrontiert. Sich in ein von sich selbst überzeugtes »Wir sind wir!« und in die Geborgenheit einer kleinen Herde zurückzuziehen, die sich wunderbar versteht und mit der Botschaft Gottes keine Verständnisschwierigkeiten hat, erscheint manchen als ein probates Mittel, dieser Problematik zu entgehen. Doch führt dieser Weg weiter?

Von der Frühzeit der Kirche an sahen sich die Verkünder des Glaubens herausgefordert, das Evangelium in einem anspruchsvollen Kommunikationsprozess in den jeweiligen Kulturen, Sprach- und Vorstellungswelten verstehbar zu machen. Für die Steyler Missionare war es zentral, die Sprachen der Völker und Stämme zu erlernen, in die sie die gesandt wurden. Und sie wurden damit konfrontiert, dass manches aus der alten Bild- und Sprachwelt im neuen kulturellen Kontext nicht passte und unverständlich wurde. Die Inkulturation, zu der die Missionare herausgefordert waren, meint keine naive Anpassung, sondern das wache Hineingehen in die Kulturen und Lebenswelten, um das Evangelium zu entfalten und oftmals selber neu zu entdecken.

Vielleicht können die »Heiligen Vierzig Tage« als eine Zeit der Erneuerung und der Umkehr für Sie eine Zeit des Hörens auf die Dialekte, Sprach- und Denkformen unserer Kultur sein (auch im Eingeständnis des Nicht-Verstehbaren), um sprachfähig zu werden und sich dem schwierigen, beglückenden Prozess der Evangeliums-Übersetzung in unserer Welt verantwortungsvoll stellen zu können.

In diesem Sinne grüße ich Sie – im Namen des Redaktionsteams – und wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest.

Siegfried Kleymann

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