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Leseprobe 2
Sechsundzwanzigster Sonntag – 27. September 2009
IV. Lesepredigt: Jesus, dass du so in Rage kommst! (Mk 9,38–43.45.47–48)
Jesus, forderst du deine Nachfolger wirklich auf, sich selbst zu einarmigen, einbeinigen, einäugigen Menschen zu verstümmeln? Ich sträube mich gegen deine Worte – wenn sie denn wirklich von dir so gesagt sind.
Du Menschenkenner, du hast doch selbst gesagt, dass das Böse aus dem Innern des Menschen kommt – was wäre denn beseitigt mit dem Arm und dem Auge, wenn die Begierde doch im Herzen sitzt! Was könnte eine Amputation bewirken – und wie, wenn es nicht bei einer einmaligen Fehlleistung bleibt… Wie sollen wir dich verstehen – wovon können wir nach dem heutigen Schriftwort in dieser Woche leben? Worum geht es dir ?
Ich höre auf diese schwierigen Worte: du sagst sie speziell zu deinen Zwölfen. Du nimmst sie in die Pflicht als Verantwortliche, – nie sollten die, die dir vertrauen, durch sie an dir und deinem Vater irre werden: sie sollen nicht Anstoß erregen, keine Falle stellen, in der man hängen bleiben kann.

Mit Schrecken denke ich daran, wie vielen Menschen der Glaube an dich schon gründlich vergangen ist aufgrund unseliger Glaubensvertreter in der Geschichte deiner Kirche. Wie vielen ist der Glaube wohl schon im wörtlichen Sinn »aus-geschlagen« worden, weil sie schon als Kinder drakonische Strafen im Namen Gottes zu spüren bekamen. Wie vielen scheint Gott unbarmherzig, weil manches zu Gottes Willen erklärt wurde, was das Leben unerträglich gemacht hat oder unerfüllbar war. Weil mit wirklichem oder vermeintlichem Ungenügen Demütigungen verbunden waren …

Jesus, deine Worte mit dem Mühlstein und dem Abhacken der Glieder bringe ich immer noch nicht zusammen mit dem, was ich sonst von dir höre – aber vielleicht kann ich dich heute so verstehen, dass du mit größter Eindringlichkeit deine Beauftragten beschwörst: Nehmt euch ernst als die, an denen man ablesen kann, um wen es bei eurem Herrn geht. Verunklart nicht Gottes Bild, in dem ihr ungerecht und unaufrichtig, unbarmherzig, machtbeherrscht, auf Äußerlichkeiten fixiert seid – bis dahin, dass Menschen Gottes Anliegen nicht mehr erkennen können, und sich deshalb von ihm enttäuscht abwenden.
Du hast kein Problem damit, Jesus, dass jemand, scheinbar ohne dir nachzufolgen, in deinem Namen heilt – aber du siehst rot, wenn die, die als Nachfolger gerufen sind, durch ihr Verhalten andere von dir abbringen.
Deine große Leidenschaft, Jesus, das wird mir klar, gilt den sogenannten kleinen Leuten. Sie sollen keinesfalls verunsichert oder unnötig beschwert werden auf ihrem Weg in deinen Spuren. Die harten Worte, dein Nein zu einem -anstoßerregenden Jüngerverhalten, ist Folge deines entschiedenen Ja zu den Menschen, die auf Wegweisung angewiesen sind.

Jesus, hilf, lass deinen Geist wirken in uns, dass an uns Menschen wenigstens erahnen können, wer du für uns sein willst. Und sei mit deinem Geist bei denen, die unsere Kirche leiten – möge an ihnen etwas von deiner Weite und Güte und Klarheit abzulesen sein, mögen sie auf dem Weg zu dir nicht behindern, sondern immer wieder auf- und weiterhelfen.

Monika Schwarzenböck

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