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Leseprobe 2
Bussfeier zur Fastenzeit
Von allen Kränkungen, Herr, befreie uns!
Lied: GL 164 »Erbarme dich« (oder regional: GL 914 »Erhöre, Herr«, Regensburger Anhang)

Liturgischer Gruß/Einführung
Kränkungen unseres Lebens wollen wir heute in dieser Bußfeier bedenken, im Gebet vor Gott bringen und Wege zu ihrer Bewältigung suchen.
Kränkungen unseres Lebens: Wir alle haben schon andere gekränkt und ihnen Verletzungen zugefügt – leiblich und seelisch. Aber auch wir selbst haben Kränkungen erlebt in unserem Leben; in unserer Kindheit durch Eltern oder Geschwister, im Laufe des Lebens durch Verwandte und Freunde, durch Lehrer, Vorgesetzte und Kollegen, durch unsere Ehe- und Lebenspartner, durch die eigenen Kinder.
Kränkungen sind wie ein Schlag ins Gesicht, wie eine Ohrfeige für die Seele. Unser Selbstwertgefühl ist getroffen: Wir fühlen uns nicht geschätzt, nicht verstanden, vielleicht sogar verachtet und gedemütigt. Schon im Alten Testament heißt es: »Eine kränkende Rede reizt zum Zorn« (Spr 15,1). Warum wir Kränkungen unterschiedlich erleben – in manchen Bereichen des Lebens heftiger, in anderen weniger stark, von den einen tiefer und von anderen nicht so sehr, das offenbart auch etwas über uns selbst: unsere empfindlichen Stellen, unsere »Achilles-Ferse« und über unsere Beziehungen zu den Menschen.
Nun gibt es heute so manche psychologische Ratgeber, wie man mit Kränkungen im Leben besser umgehen kann, wie unser Selbstwertgefühl stärker wird, nicht zu vergessen der Rat, nicht alles persönlich zu nehmen. Alle diese Empfehlungen sind wertvoll und wichtig.
Darüber hinaus brauchen Kränkungen als Verletzungen unserer Seele zutiefst die Vergebung – dass ich dem vergebe, der mich verletzt hat. Ja dass ich im Lichte des Glaubens Vergebung gewähre und dass mich Gott selbst heilt in der Tiefe des Herzens. Er kann und will mich heilen von all den Verwundungen und Verletzungen; er kann und will auch den heilen, der mir Böses zugefügt hat. Diesen Weg der Vergebung und der inneren Heilung zeigt uns das Gebet von Jesus, das Vaterunser, wenn wir beten: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
So bitten wir heute um die Kraft zur Vergebung, um Befreiung von den negativen Wirkungen all der Kränkungen, die uns zugefügt worden sind. Wir wollen vergeben, damit auch uns vergeben wird. So beten (bzw. singen) wir:

Liedrufe: GL 162 »Aus der Tiefe unserer Todesangst«

Gebet
Gott. Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen. Du weißt, wie sehr wir der Änderung und Umkehr bedürfen. Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran oder mit List. Du kommst zu uns mit deinem Wort – deinem offenen und guten, deinem fordernden und heilenden Wort. Gib, dass wir dir heute nicht ausweichen, dass wir uns öffnen und dein Wort annehmen: Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott …

1. Lesung: Psalm 9,17–21

Antwortgesang: GL 192 »Durch seine Wunden sind wir geheilt«

2. Lesung: 1 Petr 2,19–24

Ruf vor dem Evangelium: GL 173 »Lob sei dir, Herr«

Vers: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe. Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken (Ps 62,2f).

Evangelium: Mt 18,23–35

Besinnung
Wie gehen wir um mit den Kränkungen und seelischen Verletzungen, die uns zugefügt werden? Nach der unmittelbaren Betroffenheit sinnen wir zumeist auf Vergeltung und Rache, wir wollen dem oder der anderen das Unrecht heimzahlen; in Gedanken oder auch in Worten inszenieren wir entsprechende Aktionen, selbst noch und gerade auch in schlaflosen Nächten. Bei näherem Zu­sehen merken wir: die ursprüngliche Verletzung macht eigentlich nur einen Bruchteil dessen aus, was sie später für uns als Betroffene bedeutet. Und je mehr und je länger wir diese Betroffenheit, Zorn und Wut und den Ärger über die Verletzung sich in uns anstauen lassen, umso schlimmer wird es. Wir verbrauchen viel Zeit und innere Kraft für diese meist seelischen oder geistigen Reaktionen.
Bei den Kränkungen und seelischen Verletzungen handelt es sich um negative Erlebnisse, die unser Selbstwertgefühl im Bereich von Ehre, von Besitz oder von Beziehungen angegriffen haben.
Wenn wir so Opfer geworden sind von Unrecht und Kränkung, dann brauchen wir Entlastung und Befreiung von all dem: von Rachegefühlen und Hass, von negativen Gedanken und Emotionen, damit wir innerlich und äußerlich wieder frei und kreativ leben können.
Ein Weg der Vergebung führt über das innere Verstehen des anderen: seines Verhaltens und seines Tuns. Klärende und versöhnende Gespräche, die in gegenseitiger Einfühlung und mit viel Respekt vor dem anderen stattfinden, sind wichtig. Und es bedarf von beiden Seiten der Bereitschaft, Vergebung zu schenken und Vergebung anzunehmen. Solches Verstehen kann Freundschaften und Beziehungen wieder herstellen. Für diesen Weg aber braucht es viel an Kraft und an Mut. Und doch: es lohnt sich diesen Weg zu gehen. Wer sich dazu entschließt und sich darum bemüht, sollte um den Beistand des Heiligen Geistes bitten. Und dieser wird sich ihm nicht versagen.
Ein anderer Weg der Vergebung besteht im Ausgleich und in der Wiedergutmachung für das erlittene Unrecht, bis hin zur Regelung des Schadens durch eine entsprechende Instanz. Oft kommen Kränkungen und Verletzungen erst zur Ruhe, wenn der Verursacher eine angemessene Strafe erhalten hat und zur Wiedergutmachung verpflichtet wurde.
Ein dritter Weg fuhrt über die Einsicht: Auch ich selbst habe schon andere verletzt und sie gekränkt. Und so wie ich dann Vergebung und Verzeihung erwartet habe, so gewähre ich sie jetzt meinerseits dem, der mich verletzt und gekränkt hat. Mir ist bewusst, das Unrecht, das mir zugefügt worden ist, kann ich vergleichen mit dem, das ich schon anderen angetan habe. Wer selbst Vergebung erfahren hat, sollte bereit sein, auch seinerseits zu vergeben.
Dies möchte uns das Gleichnis von den beiden Schuldnern sagen: So wie Gott mit uns Erbarmen hat, so sollen auch wir Erbarmen haben mit denen, die an uns schuldig geworden sind. Denn wenn ich bedenke, wie viel Gott mir schon vergeben hat, dann habe ich allen Grund, meinem Nächsten das mir angetane Unrecht und die mir von ihm zugefügte Kränkung zu vergeben.
So gibt es zwei wichtige Gründe, dass wir anderen das uns zugefügte Unrecht vergeben: einen menschlichen und einen göttlichen Grund. Der menschliche Grund heißt: Wir möchten den Kopf und das Herz wieder frei bekommen und unsere Energie nicht vergeuden mit Gedanken der Rache und der Vergeltung. Wir möchten wieder befreit und versöhnt leben können. Und darauf zielt auch der göttliche Grund: Nur wenn wir bereit sind, erlittenes Unrecht zu vergeben, nur dann vergibt uns auch der lebendige Gott.
Jesus hat uns am Kreuz ein Beispiel solcher Bereitschaft zur Vergebung geschenkt. Als er von den Pharisäern und Schriftgelehrten, aber auch von den Soldaten und selbst noch von dem mitgekreuzigten Verbrecher ungerecht verspottet und verhöhnt wurde, als er, der Sohn Gottes, in seinem Gott-Sein gekränkt wurde, da betete Jesus: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!« (Lk 23,34).
Das Gebet der Vergebung, mündlich oder schriftlich vollzogen, ist auch für uns ein entscheidender Weg. Denn damit erkläre ich mich Gott gegenüber bereit zu vergeben und zu verzeihen. Ein solches Gebet der Heilung zu sprechen oder zu schreiben ist vor allem dann eine Hilfe, wenn ich den, der mich verletzt und gekränkt hat, mit Worten oder Taten der Versöhnung nicht erreiche, wenn er sich weigert, meine Vergebung anzunehmen, oder wenn er bereits verstorben ist. Im verzeihenden Gebet übergebe ich den Schuldschein an Gott. Ich stelle ihm anheim, wie er mit dem Verursacher meiner Kränkung umgeht. Ich räche mich nicht, ich kann in Frieden leben.

Gewissenserforschung
Nun möchte ich uns einladen, dass wir in der Stille Kränkungen unseres Lebens, Verletzungen körperlicher oder seelischer oder geistiger Art, die uns zugefügt wurden, anschauen und Wege zur Vergebung bedenken. Und schließlich möchten wir uns von Gott selbst von all unseren Kränkungen befreien lassen.
(Dazu erhalten wir nun alle je einen roten Zettel: Symbol von Verletzungen und Kränkungen. In Gedanken können wir festhalten, geistig notieren, was uns bewegt, vielleicht auch quält).
Bedenken wir nun die Zeiten und Bereiche unseres Lebens:
– die Zeit unserer Kindheit in Elternhaus und Schule, in Freundschaft und Nachbarschaft … (Stille) … Wer und was hat uns verletzt und gekränkt?
– die Zeit der Jugend: Kontakte und Beziehungen, Freundschaften und Bekanntschaften …
– Partnersuche und Partnerfindung …
– die Berufs- und Arbeitswelt: das Zusammensein mit Kolleginnen und Kollegen, mit Vorgesetzten und Institutionen …
– den Bereich von Pfarrgemeinde und Kirche: Gruppen und Verbände, Seelsorger und Gemeindeglieder …
– Politik und Öffentlichkeit: politische Gemeinde und öffentliches Leben …
– Kränkungen meines Selbst: meiner Herkunft, meiner Biografie, meines Besitzes, meiner Ehre, meiner Suche nach Liebe …
– Kränkungen durch Gott, der vielleicht manches anders gelenkt hat, als ich von ihm erwartet habe …
– sonstige Verletzungen und Kränkungen, die mich belasten …
Sehe ich konkrete Möglichkeiten, wie ich aus solchen Kränkungen und Verletzungen zur Befriedung und Versöhnung kommen kann? …

Nun bitte ich Sie alle, innerlich mit mir zu beten:
Gott unseres Lebens, du schenkst uns immer wieder einen neuen Anfang. Vieles in unserem Leben hat Bitterkeit und Enttäuschung, Verletzung und Kränkung hinterlassen. Zeige uns Wege der Versöhnung und des Verstehens auf. Versöhne uns mit uns selbst, hilf uns, dass wir unser Leben annehmen können und anderen verzeihen, die uns verletzt und enttäuscht haben. Schenke uns dazu deinen Heiligen Geist, den Geist, der uns antreibt Frieden zu suchen und Versöhnung zu gewähren. Darum bitten wir in der Kraft dieses Geistes durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Symbolhandlung (dabei meditatives Orgelspiel)
Erster Vorschlag: Wer möchte (und es schon fertig bringt!), kann jetzt das rote Blatt Papier zum Altar bringen und in eine (vorbereitete) große Schale legen – als Zeichen: »Ich gebe meine Verletzungen an Gott ab«. Auch wenn Sie derzeit keine Kränkungen durch andere in sich spüren oder die Verletzung schon bewältigt haben, können Sie den Zettel abgeben. Vielleicht können Sie aber jetzt dieses Abgeben noch nicht, dann sollen Sie das Blatt mitnehmen – zur Erinnerung: »Ich sollte meine Kränkungen bearbeiten (lassen).« Alle Zettel werden dann mit der Bitte um Vergebung vor aller Augen verbrannt. (Neben der Schale steht die brennende Osterkerze; an ihr wird das Feuer entzündet.)
Zweiter Vorschlag: Der Leiter der Feier (und ein bis zwei weitere Liturgen) bezeichnet die Stirn der Mitfeiernden mit gesegnetem Wasser und spricht dabei die Vergebungsbitte: Von all deinen (unseren) Kränkungen befreie dich (uns) Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Hinweis: Beicht- und Gesprächsmöglichkeiten in nächster Zeit!

Vaterunser

Friedensgruß

Segen

Schlusslied: GL 154 »Dankt dem Vater« oder GL 266 »Nun danket alle Gott«

Konrad Baumgartner

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