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Leseprobe 1
Fünfter Fastensonntag – 25. März 2007
III. Kinderpredigt: Die beschämten Ankläger (Joh 8,1–11)

Zielsatz: Das Verhalten Jesu soll als Beispiel für den Umgang mit Menschen ­verstanden werden, die sich etwas haben zu Schulden kommen lassen.


Ungehorsame Kinder – das Problem der Lehrer
Wenn Erwachsene Kindern etwas verbieten, dann wollen sie, dass die Kinder das Verbot akzeptieren und gehorchen. Aber manchmal tun die Kinder das nicht: Entweder hören sie gar nicht auf die Erwachsenen oder sie widersetzen sich und dann gibt es Streit. Könnt ihr mir erklären, woran das liegt, wenn ihr nicht folgen wollt? (–)
Es kann sein, dass ihr nicht einseht, warum ihr etwas nicht dürft oder dass ihr einfach nicht vernünftig sein wollt. Aber es kann doch auch davon abhängen, wer euch etwas »verbietet«, oder? Wenn zum Beispiel jemand, der jeden Tag ein paar Flaschen Bier braucht, sagt, dass ihr keinen Alkohol trinken sollt, oder wenn den Größeren das Rauchen verboten wird ausgerechnet von den Lehrern, die selbst Kettenraucher sind, dann klingt das wenig überzeugend und beeindruckt die Jugendlichen wenig. Trotzdem sind die Warnungen ja berechtigt – ­Alkohol und Nikotin sind sehr gefährlich für junge Menschen.

Die Sünderin – das Problem der Pharisäer
Von einem ähnlichen, noch viel schwerwiegenderen Problem erzählt uns das Johannesevangelium heute. Die Pharisäer, das sind fromme Männer in Jerusalem, bringen eine Frau zu Jesus, die dabei erwischt worden ist, dass sie mit einem anderen als dem eigenen Mann zusammen war. Darauf stand zur damaligen Zeit die Todesstrafe durch Steinigung. Und nun fragen sie Jesus, was sie mit ihr machen sollen. Im Grunde wollen sie das gar nicht wissen, denn sie sind fest entschlossen, die Frau zu steinigen, aber sie wollen Jesus eine Falle stellen. Sie wissen, dass er immer zu den Schwachen und Sündern hält, und das ärgert sie. Aber wenn er jetzt sagt, dass sie die Frau nicht steinigen sollen, dann stellt er sich gegen das Gesetz und dann können sie ihn anzeigen.

Jesus – die Anfrage an uns
Deshalb reagiert Jesus zunächst überhaupt nicht – er merkt nämlich, was sie im Schilde führen. Und schließlich, als sie ihn nicht in Ruhe lassen, sagt er den berühmten Satz: »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.« Versteht ihr, was Jesus hier meint? (–) eine bessere Antwort hätte er gar nicht geben können, denn er stellt das Gesetz nicht in Frage, und doch erreicht er, dass die Frau verschont wird. Die Ankläger sind plötzlich alle verschwunden und Jesus sagt zu der Frau: »Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr!«
Er trifft eine ganz wichtige Unterscheidung, indem er deutlich macht: Es nicht in Ordnung, wenn man die Gebote missachtet und Böses tut. Aber es ist auch nicht in Ordnung, wenn Menschen sich gegenseitig verurteilen. Das heißt natürlich nicht, dass es keine Gerichte und keine Gefängnisse mehr geben soll, sondern es geht darum, wie wir mit Menschen umgehen, die schuldig geworden sind. Jesus weiß, dass die Leute, die harte Strafe fordern und keine Gnade kennen, oft selbst Dreck am Stecken haben, d.h. selbst nicht frei von Sünde und Schuld sind. Daran erinnert er die Pharisäer und die können nur noch beschämt weggehen, weil sie zugeben müssen, dass sie selbst auch schon gegen das Gesetz verstoßen haben.
Leider ist es für jeden von uns eine große Versuchung auf anderen herumzuhacken, die Mist gebaut oder versagt haben. Wir fühlen uns gut, weil wir anständiger und besser sind als die anderen, und leiten daraus das Recht ab, die anderen zu verurteilen. Jesus dagegen macht deutlich, dass dieses Recht eigentlich nur jemandem zusteht, der ganz frei von jeglicher Schuld ist. Und er weiß natürlich, dass kein Mensch frei von Schuld sein kann, eben weil wir alle Menschen sind. Und er selbst, der frei von Sünde und Schuld ist, verurteilt die Frau auch nicht.

Was wäre, wenn …
Wäre es nicht toll, wenn wir uns gegenseitig helfen würden, unsere Schwächen zu überwinden, anstatt einander fertig zu machen? Jede und jeder von uns kann damit anfangen – in der Familie, in der Schule, im Verein, in der Pfarrgemeinde oder dort, wo ihr euch trefft. Probiert doch einfach einmal aus, ob es euch gelingt nicht mitzulachen oder mitzulästern, wenn ein anderer oder eine andere etwas Dummes gesagt oder etwas Schlechtes gemacht hat. Probiert doch einfach einmal aus, Verständnis zu zeigen und Mut zu machen, dass der oder die Betreffende es in Zukunft besser machen können. Ich bin sicher: Darüber würden sich nicht nur der oder die andere freuen, sondern auch Jesus.

Fürbitten
Guter, gnädiger Vater im Himmel: Die Geschichte von der Ehebrecherin zeigt uns, dass du nicht der unerbittliche Richter bist, für den wir dich manchmal halten. Wir bitten dich:
– Für alle, die andere Menschen beurteilen müssen, wie z.B. Richter oder Lehrer: Hilf ihnen gnädig zu sein!
– Für alle, die Schuld auf sich geladen oder schwere Fehler begangen haben: Hilf ihnen sich zu bessern!
– Für alle Religionsgemeinschaften und Kirchen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen: Hilf ihnen zueinander zu finden!
– Für uns alle, die wir so gerne andere für ihre Fehler verurteilen: Hilf uns Verständnis zu zeigen!
Im Vertrauen auf dich können wir immer wieder neu versuchen so zu leben, wie Jesus es uns gezeigt hat. Dafür danken wir dir von ganzem Herzen.

Renate Brosseder

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