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Wort an die Leser
Liebe Leserinnen und Leser,

in seinem unlängst erschienenen Prosaband Ins Innere hinaus notiert der Dichter und Theologe Christian Lehnert eine bemerkenswerte Aussage: »Die größte Gabe der Kirche ist …, daß man in ihr gemeinsam schweigen kann. In der Stille wird das Wort, der Logos wieder beglaubigt.« (Christian Lehnert, Ins Innere hinaus. Von den Engeln und Mächten, Berlin 2020, S. 180.) Ja, wie nötig hätten wir es gerade in den gegenwärtigen Krisen und Konflikten, dass »das Wort, der Logos wieder beglaubigt« wird; wie oft wird ein glaubwürdiges Zeugnis der Frohbotschaft vermisst! Solche Beglaubigung des Wortes eröffnet Sinn, indem es in Beziehung bringt zum guten Grund des Lebens. – Aber ob Stille, gar gemeinsames Schweigen, von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und von mir als »größte Gabe der Kirche« empfunden wird? Sind es nicht eher viele und oft auch belastende, ja ärgerliche »Wortwechsel«, die unsere zwiespältigen Kirchenerfahrungen prägen? – Andererseits erinnere ich mich dann doch an Momente, in denen etwa ganz konkrete Kirchenräume mit ihrer Stille Eindruck auf mich machen, mir, gerade in aller Sprachlosigkeit, Augenblicke der Sammlung und Besinnung ermöglichen. Vielleicht ist das der Anfang jener Stille, in der für meinen Glauben und für unseren Dienst am Wort der Logos wieder »beglaubigt« wird? Und könnte sich hier womöglich auch eine im wahrsten Wortsinn tiefere Verbundenheit kirchlicher Gemeinschaft neu eröffnen? Sammlung und Besinnung in der Stille eines Kirchenraums, der dann auch zum Gottesdienstraum – in der Spannung von Stille, Wort und Klang – werden kann: Vermag mich, vermag uns das in all den Anspannungen dieser Zeit, mit Lehnerts Buchtitel gesprochen: »hinaus« zu verweisen, gerade indem es uns »ins Innere« führt? Das meint keinesfalls eine Flucht vor den Fragen und Kontroversen, mit denen die Kirche derzeit unausweichlich konfrontiert ist, im Gegenteil; aber es könnte Orientierung ermöglichen, um angesichts dieser Fragen und Kontroversen nicht zu resignieren, sondern sich ihnen freimütig zu stellen. Kirchliche Verkündigung möge dem dienen – nicht der ekklesialen Selbstbehauptung, sondern den Menschen mit ihrer Sehnsucht nach einem »beglaubigten« guten Wort. Die Stille kann ein Anfang sein. Ein Gesang aus dem Gotteslob drückt es so aus: »Gott loben in der Stille: / mit Schweigen beten zu jeder Zeit, / bis er die Stimme zum Lob befreit. / Gott loben in der Stille.« (GL 399,1)

Solche Erfahrungen als Inspiration für den Dienst der Verkündigung, um auch in allen kirchlichen An-Spannungen gut durchzuhalten, das wünscht Ihnen im Namen der Prediger und Katechet-Redaktion

Martin Rohner

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