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Leseprobe 2
Familien, Kinder, Jugendliche
»Ich werde alle an mich ziehen!« (Joh 12,20–33) – Fünfter Fastensonntag
Statio
Mit großen Schritten gehen wir auf die Heilige Woche und das Osterfest zu, in der wir an das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu denken. Heute schonmacht Jesus auf sein Schicksal am Kreuz aufmerksam. Er stirbt aus Liebe zu uns. Diese Liebe ist so groß, dass sie alle mit einbezieht. Jesus möchte, dass alle mit ihm zusammen beim Vater leben können. Durch sein Leben und seine Botschaft, die auch vor dem Tod nicht haltgemacht hat, will er uns alle zum Vater führen.

Kyrie

Herr Jesus Christus, du schließt mit uns einen neuen Bund.
Herr Jesus Christus, du bist unser Gott und wir sind dein Volk.
Herr Jesus Christus, du gibst dich uns in deiner großen Liebe zu erkennen.

Predigtgedanken

In Rio de Janeiro, de größten Stadt Brasiliens, steht auf dem über 700 m hohen Berg »Corcovado« eine über 30 Meter große Christusstatue, die ihre Hände weit ausgebreitet hat. Sie ist weltberühmt. Die weit ausgebreiteten Arme sind ein Zeichen dafür, dass Christus die Stadt und ihre Bewohner schützt und segnet und, wenn man so will, alle an sich ziehen möchte.

Und damit sind wir schon beim heutigen Evangelium, in dem Jesus den schwer verständlichen Satz sagt: »Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.« (Joh 12,32)

Was meint Jesus damit?

Jesus ahnt bereits, dass er am Kreuz sterben wird, weil er mit seiner Botschaft von der treuen Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit, die unabhängig davon gilt, ob jemand Jude ist oder nicht, ob er die Gebote hält oder nicht, ob er Sünder ist oder nicht, die führenden Persönlichkeiten Israels nicht überzeugen kann. Jesus weiß, wenn er seiner Botschaft treu bleiben will, wird er dafür auch die Konsequenzen tragen müssen. Diejenigen, die Jesus ablehnten, hatten schon längst geplant, ihn aus dem Weg zu schaffen, endgültig mit ihm abzurechnen!

Jesus weiß um sein Schicksal, aber er sieht tiefer. Er sieht auch, dass er von Gott, seinem Vater, nicht im Stich gelassen wird. Er vertraut darauf, dass Gott ihn retten wird.

In diesem Vertrauen geht er den letzten Tagen seines irdischen Lebens entgegen.

Am Kreuz, so haben es dann die Autoren der Evangelien gedeutet, ist er erhöht worden. Und tatsächlich wurde das Kreuz Jesu auf dem Golgotha-Hügel aufgerichtet. Am Kreuz hat Jesus die Arme weit ausgebreitet und konnte auf die Menschen, die unter dem Kreuz standen, sehen. Selbst in seiner Todesstunde sorgt er sich nicht um sich, sondern um sie. Er vertraut Johannes, seinem Lieblingsjünger, seine Mutter Maria an. Er verspricht einem Verbrecher, der seine Taten bereut: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (Lk 23,43). Jesu Sorge gilt allen Menschen. Für alle Menschen will er da sein, alle liebt er, alle will er an sich ziehen, wie eine Mutter ihre Kinder an sich zieht, um sie zu trösten, wenn sie weinen und traurig sind.

Die weit ausgebreiteten Arme sind ein Zeichen für seine Liebe und Fürsorge. Er lässt uns nicht allein, so wie ihn sein Vater im Tod am Kreuz nicht allein gelassen hat, sondern ihn nach drei Tagen in das neue Leben, in das Leben bei Gott, auferweckt hat.

Wenn Jesus sagt: »Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.« (Joh 12,32) dann meint er damit, dass sich alle Menschen bei ihm geborgen und sicher fühlen dürfen. Er möchte uns alle mitziehen in dieses neue Leben bei Gott hinein.

Kommen wir noch einmal auf die Christusstatue aus Rio zurück. Die hoch über der Stadt stehende Figur mit ihren weit ausgebreiteten Armen, ist für mich ein treffendes Bild für Jesu Zusage im heutigen Evangelium: »Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.« (Joh 12,32)

Wie sehr das gerade in Krisenzeiten gilt, in denen Menschen vor besonderen Herausforderungen stehen, wie der COVID-Pandemie, zeigten im letzten Jahr Videokünstler in Rio, die der Christusstatue einen Mund-Nasen-Schutz angelegt und auf die Brust eine riesiges rotes Herz gestrahlt hatten. (https://www. vaticannews.va/de/welt/news/2020-05/brasilien-rio-christus-statue-maske-corona-licht.html).

Was sie damit sagen wollten, trifft ins Schwarze: Gerade in Krisenzeiten, dann wenn es um Leben und Tod geht, ist Jesus mitten unter uns, dann strahlt sein Herz noch heller für alle, die erkrankt sind, leiden und vielleicht sterben.

Dafür ist Jesus in die Welt gekommen, um seine Nähe und Solidarität all denen zu zeigen, die es schwer im Leben haben. Die ausgebreiteten Arme Jesu am Kreuz und die ausgebreiteten Arme der Christusstatue versichern uns: Er ist schützend und segnend da und wird uns alle in sein Leben bei Gott ziehen.

Fürbitten

Guter Gott, der du uns alle an dich ziehen willst, wir bitten dich:
- Für alle Menschen, die krank sind und leiden, um deine spürbare Nähe.
- Für alle Alten und Einsamen, die sich verlassen fühlen und traurig sind, um Zuwendung durch liebevolle Menschen.
- Für alle, die an den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leiden, um Perspektiven für eine sichere Zukunft.
- Für alle, die sich von der Kirche abgewendet haben, weil sie enttäuscht wurden, um Wege mit ihrer Enttäuschung umgehen zu lernen.
- Für alle, die sich in den Sakramenten vorbereiten auf die Begegnung mit dir, dass sie sich von der Lebensart deines Sohnes begeistern lassen.
Herr, unser Gott, dein Sohn hat uns versprochen, dass er alle an sich zieht, um gemeinsam mit ihm bei dir zu leben. Ihm wollen wir vertrauen, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Dirk Peters

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