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Leseprobe 1
17. Sonntag im Jahreskreis
I. Ein hörendes Herz (1 Kön 3,5.7–12)
Statio
»Herr, gib uns Mut zu hören auf das, was du uns sagst« (GL 448): Der Mut, um den wir mit diesem Lied bitten, braucht nicht nur wache Ohren. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um eine »Herzenssache«. So wie der weise König Salomo in der Lesung dieses Sonntags bitten wir den Herrn um ein »hörendes Herz«. Wir vertrauen darauf, dass sich Gott in der Mitte unserer Existenz zu verstehen gibt. Um das wahrzunehmen, braucht es Aufmerksamkeit, Besinnung, Sensibilität im Umgang mit all dem, was wir erfahren. Dann finden wir hoffentlich wie im Gleichnis des heutigen Evangeliums den alles entscheidenden »Schatz« unseres Lebens. Bitten wir den Herrn, dass er unsere Herzen so öffne, dass wir mutig hören können, wie er sich uns heute zu verstehen gibt!
Martin Rohner

I. Ein hörendes Herz (1 Kön 3,5.7–12)

Wünsche …

Wer kennt sie nicht: Die gute Fee im Märchen: Drei Wünsche hast du frei! Dieses Märchen gibt’s in tausend Variationen, doch man weiß von vornherein, wie es ausgeht: Die Leute wünschen sich so verrückte, sinnlos, überflüssige Sachen, dass sie am Ende mit schöner Regelmäßigkeit wieder im Elend ihrer alten Probleme landen. Nichts hat sich geändert. Wenn Sie jetzt einen Wunsch hätten, von dem Sie wissen: Er geht sicher in Erfüllung – was würden Sie wählen? Dass ich gesund bleibe, wird der eine sagen; dass uns der Friede erhalten bleibt, jemand anderer. Ein langes Leben, Erfolg im Beruf, ein gutes, erträgliches Auskommen, eine glückliche Familie, dass aus den Kindern was wird, dass ich immer ein paar Freunde habe, die zu mir stehen. All das sind sehr löbliche Dinge, die sicher wichtig sind!

Die Bitte Salomos


Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll, so fordert Gott den König Salomo auf. Der ist gerade König geworden. Er ist jung und unerfahren (der hebräische Text sagt wörtlich: »ein kleiner Junge«), er fühlt sich seiner Aufgabe fast nicht gewachsen. Und was wünscht er sich? Er erbittet sich ein »hörendes Herz«, er erbittet die Fähigkeit, das Gute vom Bösen unterscheiden zu können.

Das Gute und das Böse: Das ist hier in einem sehr umfassenden Sinn zu verstehen: Salomo erbittet sich die Weisheit, das Richtige zu tun, die richtigen Entscheidungen treffen zu können, zum Wohl der ihm anvertrauten Menschen. Salomo wird hier sympathisch dargestellt. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Der wirkliche Salomo hat diesem Idealbild keineswegs immer entsprochen! Dieser Text zeichnet ein sehr idealisiertes Bild von Salomo. Unser Text sagt, wie ein König sein sollte. Aber: solche Ideale und Leitbilder sind notwendig! Für das Volk, für die Menschen ist der König bestellt – ein Leitbild, an dem sich alle Regierenden und alle Mächtigen bis heute messen lassen müssen! Wahre Regierungskunst besteht darin, das Richtige für die Menschen zu tun. Wie weit ist auch unsere Politik oft von einem solchen Ideal entfernt! Neulich las ich in der Zeitung, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher – Wo ist die Politik, die hier wirksam gegensteuert?

Ein hörendes Herz

Salomo erbittet sich von Gott ein hörendes Herz, ein sensibles Gewissen, die Fähigkeit zur richtigen Entscheidung. Ein hörendes Herz: Dieses originelle Bild meint die innere Fähigkeit, bei allen Entscheidungen vor allem auf Gott zu hören. In diesem biblischen Bild kommt die Überzeugung zur Sprache: Vieles mag uns in unserem Leben wichtig sein. Entscheidend ist das eine: ein Herz, das auf Gott hört. Das ist entscheidend, dass er die Mitte unseres Lebens ist, dass er unser Handeln und unsere Lebensziele bestimmt.

Ein bisschen altmodisch ist das, wird vielleicht mancher denken, und Hand aufs Herz: Wer von uns könnte sich ehrlicherweise sagen: Ja, Gott steht ganz und gar im Mittelpunkt meines Lebens. Ich versuche, mein Leben von ihm her zu sehen, meine Entscheidungen im Hören auf sein Wort zu treffen. Natürlich will Gott nicht in Konkurrenz zu unserer irdischen Lebensfreude treten. Weil Salomo sich ganz bescheiden ein hörendes Herz wünscht, kriegt er das alles ja noch dazu: Reichtum und Ehre und ein langes Leben. Gott will nicht in Konkurrenz treten zu unserem irdischen Glück! Aber er will, dass wir irdischen Zielen nicht einen zu hohen Stellenwert geben.

Wenn ich zum Beispiel mein ganzes Sinnen und Trachten darauf richte, beruflich voranzukommen, Karriere zu machen, eine angesehene Stellung zu haben, wenn das zu meinem einzigen Lebensinhalt wird, was mache ich, wenn diese Träume platzen? Wie viele Menschen haben gerade an diesem Problem zu knacken! All das Unerreichte im Leben!

Und wenn ich meinen Traumjob erreiche, aber auf dem Weg dahin habe ich kräftig die Ellbogen gebrauchen müssen, musste brutal und hart sein, und nun bin ich zwar am Ziel, habe eine angesehene Stellung, aber da sind nur noch wenige Freunde, ich bin auf dem Gipfel meines Erfolgs einsam geworden – was soll`s? Wozu der Erfolg? Und wenn ich alles daran gesetzt habe, jung und sportlich und attraktiv zu bleiben, und auf einmal kommen die ersten Falten, und ich muss dem doch ins Auge sehen, dass ich alt werde – wenn ich dann gar keine anderen Lebensziele mehr habe, was dann?

Weisheit aus dem Glauben


Der Glaube an Gott kann uns helfen, weise zu werden, den Dingen ihren angemessenen Stellenwert zu geben. Wenn Gott in der Mitte meines Lebens steht, wenn er es ist, auf den ich mich im Letzten verlasse,
– dann kann ich mich über Erfolge freuen, auch über den Besitz und Reichtum, über meine Gesundheit, aber ich muss nicht verzweifeln, wenn ich das eine oder andere eines Tages lassen muss. Und ich muss es eines Tages lassen.
– Dann kann ich mich über die Kinder freuen, wie sie sich entwickeln, wie aus ihnen was wird. Aber ich kann vielleicht auch hinnehmen, wenn sie ganz anders werden als ich erwartet hatte, wenn sie nicht erreichen, was ich ihnen eigentlich zugetraut hätte.
– Dann kann ich mich riesig darüber freuen, einen Partner gefunden zu haben, der mich versteht und liebt und erträgt, aber ich kann die Treue zu ihm vielleicht leichter durchhalten, wenn es schwer wird miteinander oder der andere krank und hilfebedürftig wird, und ich muss nicht alle Hoffnung begraben, wenn er mir genommen wird. – Dann kann ich mich meines Lebens freuen, kann die Schönheiten dieser Welt dankbar genießen, aber ich muss nicht völlig zusammenbrechen, wenn Krankheit und Tod sich anmelden und mir die Begrenztheit auch meines Lebens in Erinnerung rufen.

Es täte uns gut, würden wir uns mit König Salomo vor allem dieses für unser Leben wünschen: Weisheit. Ein Herz, das auf Gott hört, das mit ihm in lebendiger Verbindung steht. Dann hätten wir einen festen Halt, in gesunden und in kranken Tagen, in Erfolg und Misserfolg, im Leben und im Sterben.

Was wäre unser Leben arm – ohne den Glauben an Gott! Wie viele gleiten heute langsam vom Glauben weg! Aber was bleibt dann an Sinngebung, an Tiefe, an Lebensperspektive? Wenn es nur noch das vordergründige, banale, alltägliche Leben gäbe, was wäre unser Leben arm! Nehmen wir unseren Glauben neu ernst! Lassen wir ihn nicht! Lassen wir diese große Hoffnung nicht fahren: Hinter unserem Leben – ein Gott, der uns wohl will, der uns begleitet, der uns erwartet.

Franz-Josef Ortkemper

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