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Leseprobe 1
33. Sonntag im Jahreskreis
III. Lesepredigt: Glauben mit Nutzeffekt? (Mal 3,19–20b)

In den USA gibt es eine gut ausgestattete Stiftung, die Forschungsprojekte in Theologie und Religionswissenschaften fördert, die Templeton-Stiftung. Einen wichtigen Platz nahmen lange Jahre Studien ein, die überprüfen sollten, ob es Menschen in ihrem Alltagsleben nützt zu glauben. Immer wieder lesen wir im »Vermischten« oder in den Forschungsseiten der Zeitungen Studienergebnisse, es sei nachgewiesen, dass Gläubige, die auf einen umfassenden Lebenssinn vertrauen könnten, »resilienter« sind als Ungläubige, sprich: mehr Lebenskraft aufbringen in Krankheit und Scheitern und im Durchschnitt länger leben. Dann ist wieder davon die Rede, dass der Zusammenhang zwischen Glauben und Gesundheit doch nicht so eng ist, vor allem dann nicht, wenn Glaubenseinstellungen nicht mehr so viel soziale Bindekraft »produzieren« wie in vormodernen Gesellschaften.

Hat man Vorteile vom Glauben? Hilft er besser leben? Ich geniere mich mit dieser Frage. Sollte es ein Glaubensmotiv sein, wenn ich mir sagen darf: Weil es mir mit dem Glauben im Leben besser geht, warum sollte ich es nicht mit ihm versuchen? Es kommt einem unpassend vor, sich vom Nützlichkeitskalkül zum Glauben motivieren zu lassen. Und es ist doch urmenschlich, sich zu fragen, was man vom Glauben hat. Der Prophetentext aus dem Buch Maleachi, den wir eben hörten, ist aus einer Streitrede genommen – die Leseordnung hat diesen Kontext weggeschnitten –, in der es darum geht: Haben wir etwas von unserer Glaubenstreue; wir, die wir mit anschauen müssen, wie man ohne Glauben bedenkenloser, »freier« lebt, mehr vom Leben hat? Wer sich nicht um Gott kümmert und um das, was ihm am Herzen liegt, der ist eigentlich besser dran, hat weniger Last mit Bedenklichkeiten, die ihn hindern, das Leben zu genießen. Meist geht es ihm besser.

Gott lässt sich nach dem »Skript« des Buches Maleachi zur Antwort herausfordern. Aus dieser Antwort bietet uns die Lesung zentrale Passagen. Die irritieren mich noch mehr als die Fragen, die JHWHs »Antwort« auslösen: Ja, kurzfristig gesehen mag es den Nichtglaubenden im Leben besser gehen, mögen sie sich am Leben freuen. Aber es wird der schreckliche Tag kommen, glühend »wie ein Ofen«; da werden sie wie dürres Stroh verbrannt. Wer sein Leben mit JHWH gelebt hat, für den wird »die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen« (Mal 3,19f ). Und der Prophet setzt noch eins drauf, die Leseordnung hat uns diesen Teil der Verheißung ersparen wollen: »An dem Tag, den ich herbeiführe, werdet ihr die Ruchlosen unter euren Fußsohlen zertreten, sodass sie zu Asche werden, spricht der Herr der Heere« (Mal 3,21).

»Das sind heilige Worte«? Hat Gott tatsächlich so gesprochen? Es widerstrebt uns, das anzunehmen. Oder hat in diesen Worten die bedrängte, in ihrem Glauben tief verunsicherte Gemeinde mitgesprochen? Hat ihr menschlich-allzumenschliches Bedürfnis mitgesprochen, Schurken und Zyniker in ihrer Umgebung nicht »auf ewig« besser davonkommen zu sehen als die Frommen? Man mag dieses Bedürfnis primitiv finden, eines reifen Glaubens und Menschseins unwürdig. Aber es sitzt vielleicht tiefer in uns drin, als wir es wahrnehmen können: Das wäre doch schrecklich, wenn es zuletzt – bei Gott – keinen Unterschied mehr machte, wie man gelebt hat, ob man sich »angestrengt« und den Glauben ernst genommen hat! Bei Maleachi wird das ohne Scham ausgesprochen. Wir werden uns heute vielleicht dafür schämen – es fast unerträglich finden, wie JHWH nach dem Propheten Maleachi darauf reagiert: Wartet nur, ihr werdet schon sehen, wie schlimm es Bösen und Ungläubigen geht!

Lassen wir uns herausfordern, die Frage, mit der Maleachi sich abquält und für die er JHWH in den Zeugenstand ruft, an uns so zu stellen, dass sie uns heute trifft – und hilft! Was habe ich an meinem Glauben, von ihm, hier und heute? Hilft er mir leben? Bringt er Leben in mein Leben – Trost, Motivation, Durchhaltevermögen? Man wird so fragen dürfen. Es kann dankbar machen für den Glauben, wenn all das mit ihm verbunden ist. Wie es dankbar machen kann, wenn man sich fragt: Was habe ich an meinem geliebten Partner, wie hilft er mir leben? Man hat sich ihm/ihr wohl nicht gerade deshalb anvertraut. Aber wie dankbar darf man dafür sein. Man glaubt vielleicht nicht wegen all der lebensförderlichen »Wirkungen« des Glaubens. Aber wie dankbar darf man dafür sein.

Jürgen Werbick

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