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Leseprobe 1
Gründonnerstag

Statio
Jesus Christus »wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich … Er erniedrigte sich« (Phil 2,7f), so besingt der Philipper-Hymnus den Lebensweg Jesu. Das Evangelium setzt dieses Bekenntnis in Erzählung um, wenn es von Jesus sagt, dass er sich bückte, tief nach unten, dass er sich die Finger schmutzig machte und seinen Jüngern die Füße, nicht den Kopf, wusch. Er fasste auf diese Weise sein ganzes Leben zusammen und gab den Jüngern ein Beispiel.Indem er sich so tief bückte, stand er gerade für etwas, für jemanden, für den Vater, der uns Menschen nachgeht und sucht – auch ganz unten, ja gerade da!
Peter Seul


II. Lesepredigt: Zieh die Schuhe aus

Vorbemerkung der Redaktion:
Die Feier des österlichen Triduums – Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht – stellt eine große, zusammengehörende Feier dar, die von der Eröf fnung am Gründonnerstag bis zum Segen am Ostermorgen reicht. Die drei Lesepredigten zum österlichen Triduum nehmen diese thematische Bezogenheit der Liturgie auf. Sie können getrennt voneinander gehalten werden, sind aber doch durch ein inhaltliches Band miteinander verwoben.

Die drei bringen das Ostergeschehen in Verbindung mit der Selbstof fenbarung Gottes am Berg Horeb, die am dritten Fastensonntag (C) vorgelesen wurde. In der Feier der Passion und der Auferstehung Jesu Christi zeigt sich der »Ich bin da«, der Mose im Dornbusch erschienen ist und der sein Volk in die Freiheit führt. Das Vermächtnis des Buches Exodus erscheint in der Passion und Auferstehung Jesu Christi in neuem, österlichem Licht. Da Ex 3,1–15 innerhalb der drei Tage nicht in der Liturgie vorgelesen wird, kann es sinnvoll sein, die Schriftstelle auszudrucken und den Gottesdienstbesuchern zur persönlichen Betrachtung mit nach Hause zu geben.

Die Predigtreihe verdankt sich der Inspiration von Pater Christian Herwartz SJ und einem Team von Frauen und Männern, die in der Begleitung von Straßenexerzitien dabei helfen, die Wirklichkeit Gottes in der Einfachheit des Alltäglichen, des Fremden, des uns plötzlich Anrührenden zu entdecken.


»Zieh die Schuhe aus!« Es ist eine kurze, prägnante Aufforderung, die Mose am Berg Horeb hört. Mose hütet die Schafe für seinen Schwiegervater, als ein Dornengestrüpp seine Aufmerksamkeit erregt. Neugierig geht er hin, sieht den Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt – und hört dann jene Aufforderung: »Zieh die Schuhe aus.«

»Zieht die Sandalen aus. Ich will euch die Füße waschen!« Es ist eine ebenso knappe Ansage, die Petrus und seine Gefährten hören. Petrus hat sich diesen Festabend wohl anders vorgestellt, als Jesus ihn bittet, seine Füße hinzuhalten und den Sklavendienst an ihm zuzulassen. Verständlich, dass es Petrus unangenehm ist, eine solche Berührung zuzulassen – gelten doch die staubigen, riechenden, verhornten Füße nicht gerade als besonders vorzeigbar. »Zieht die Schuhe aus.« Mose und Petrus – beide stehen mit nackten Füßen da. Sie sind verwirrt und wehrlos. Und dort, wo sich Mose und Petrus auf den Ruf einlassen, wo sie sich ungeschützt dem öffnen, der sie berühren will, geschieht Wandlung.

Mose hört, wie die Stimme fortfährt: »Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. « Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber übersetzt: »Der Ort, darauf du stehst, Boden der Heiligung ist’s.« Es geht also nicht primär um einen Raum, der eine besondere Ehrfurcht verlangt, um einen Platz, den man nicht mit dreckigen Schuhen betreten soll. Sondern hier ist ein Ort, an dem Veränderung und Wandlung geschieht: »Boden der Heiligung ist’s.«

Wir treten mit dem heutigen Abendmahlsgottesdienst in die Feier des Osterfestes ein. Wie hören wir dieses Wort? Welche Absicherungen und Schutzmechanismen hindern uns daran, uns der Liebe Gottes anzuvertrauen? Welche Seiten unseres Lebens sind uns eher unangenehm und peinlich, sodass wir meinen, sie verstecken zu müssen? Welche »dicken Sohlen« haben uns unempfindlich gemacht und uns gleichgültig werden lassen – für die Freuden und Leiden anderer Menschen wie für die eigenen Empfindungen? Sind wir bereit, uns so auf die Feier dieser Tage einzulassen, dass plötzlich Unvermutetes geschehen kann? Dass wir anders herauskommen, als wir hineingegangen sind? Dass die Tage wirklich zu einem »Ort der Heiligung« und einer Zeit der Verwandlung werden?

Wir werden nun in der Liturgie die Fußwaschung vergegenwärtigen. An zwölf Personen aus unserer Gemeinde wird dieses Zeichen vollzogen, stellvertretend für uns alle. Nehmen wir innerlich bewusst daran teil: dass auch wir verwandelt und erneuert werden. »Zieh die Schuhe aus. Boden der Heiligung ist’s.«


Karfreitag

II. Lesepredigt: Dornenbusch und Dornenkrone

Vorbemerkung der Redaktion: Die drei Lesepredigten für das österliche Triduum gehören inhaltlich zusammen. Zur Einführung bitten wir daher, die Vorbemerkung der Redaktion zur Lesepredigt am Gründonnerstag zu beachten.

Dornengestrüpp ist verletzend und zerstörend. Es ist bedrohlich für die menschliche Haut. So schön Rosen sind, Dornen sind gefährlich. Es ist besser, nicht hineinzufassen oder hineinzutreten. Es ist völlig absurd, daraus eine Kopfbedeckung zu f lechten – es sei denn, man will Menschen quälen.

Eine Krone aus Dornengestrüpp wird dem gefolterten und misshandelten Jesus aufgesetzt. Sie wird sein Erkennungszeichen. Was ist das für ein König, der nicht in Gold glänzt? Was ist das für ein Herrscher, der dermaßen verletzt ist – gezeichnet von menschlicher Destruktivität? Ein Schmerzensmann, mit der Krankheit vertraut. Einer, dem man das abnimmt, wenn er über die sagt, die zu ihm gehören: »Ich kenne ihr Leid« (Ex 3,7).

Die Dornen als Zeichen der Gottesgegenwart: In der Exodus-Erzählung, der großen Freiheits-Geschichte des Volkes Israel, zeigt sich der Unfassbare, Unnennbare, Überwältigende in den Dornen. Mose wird aufmerksam auf ein Dornengestrüpp am Rande der Steppe: »Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht« (Ex 3,2). Ein Feuer, das brennt und doch nicht verbrennt – welch ein Bild für die Liebe? Eine brennende Liebe, die Feuer hat, aber nicht vernichtend ist. Eine Liebe, die auch angesichts von Zerstörungswut, Gleichgültigkeit und Verachtung trägt.

Wenn wir auf den dornengekrönten Gottesknecht schauen, kommt uns diese Liebe nahe. Sie brennt, aber verbrennt nicht. In ihm sehen wir die Flamme der Liebe Gottes und zugleich sehen wir im Gesicht des gefolterten Jesus auch die Gesichter derjenigen, die wie er von psychischer und physischer Gewalt verletzt werden. »Ich bin hinabgestiegen, um sie der Hand der Sklavenhalter zu entreißen« (Ex 3,8). Was Mose am brennenden Dornbusch hört, gilt für ungezählte Gottsucher, die in ihrer Not auf den Gekreuzigten schauen. Sie blicken auf einen Unansehnlichen, der von anderen gemieden wird, auf einen »Mann voller Schmerzen, mit der Krankheit vertraut« (Jes 52,13–53,3), und erfahren in ihm die Gegenwart Gottes, der hinabgestiegen ist und als Flamme der Liebe im Dornbusch Zuf lucht und Hoffnung gibt.

Wir werden jetzt bei der Kreuzverehrung auf den dornengekrönten Jesus schauen und uns vor ihm verneigen. Dass wir in ihm die unverbrennbare Liebe Gottes erkennen, uns von ihr entzünden lassen und zu liebenden Menschen werden, darum lasst uns bitten.


Ostern

Statio
Österliches Licht leuchtet an diesem Morgen: mit der Kerze, die wir in der Dunkelheit der Nacht am Osterfeuer entzündet haben; mit der Sonne, die in diesen Morgenstunden den Kirchenraum durchstrahlt. »Im Dunkel unserer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr verlischt!«, so haben wir in dieser Nacht gesungen. Bitten wir in der Frühe dieses Ostertages darum, dass das Wirklichkeit wird in den Dunkelheiten unseres Lebens, unserer Gesellschaft und unserer Kirche – und wir unsere Welt im Licht des auferstandenen Jesus Christus sehen können. Öffnen wir unsere Augen und unsere Herzen und preisen seine Gegenwart im österlichen Kyrie-Lied.Siegfried Kleymann


III. (Osternacht) Lesepredigt: Ich bin da

Vorbemerkung der Redaktion: Die drei Lesepredigten für das österliche Triduum gehören inhaltlich zusammen. Zur Einführung bitten wir daher, die Vorbemerkung der Redaktion zur Lesepredigt am Gründonnerstag zu beachten.

Die dunkle Kirche wird von Gesang erfüllt. Das Osterlicht ist hineingetragen, die Kerzen sind entzündet, der Gesang des Exsultet hebt an: »Dies ist die Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach. Dies ist die Nacht, die Himmel und Erde versöhnt. Dies ist die Nacht …« – immer neu wird das wiederholt: »Dies ist die Nacht.« Heute. Die Auferstehung Jesu Christi ist Gegenwart.#

Als Mose am brennenden Dornbusch in der lodernden Flamme dem unfassbaren, unnennbaren Gott begegnet und als er dort die Verheißung der Freiheit hört, fragt er nach dem Namen und hört als Antwort: »Ich bin der: ›Ich bin da‹« (Ex 3,14). Ein Gott, der sich in der Gegenwart zeigt, im Heute, in der Wirklichkeit, die uns jetzt umgibt. »Ich bin der ›Ich bin da‹.«

Als die Frauen zum Grab Jesu gehen, sind ihre Herzen voll mit Erinnerungen. Sie sind verbunden mit dem, der ihnen genommen wurde. Am Grab werden sie aus den Vergangenheitsträumen herausgerissen: Jesus ist kein Damals. Keine Vergangenheit. Er ist der Lebendige, der ihnen begegnen und in ihnen lebendig sein will. »Ich bin da.«

Auch als die beiden Weggefährten nach Emmaus wandern, werden sie von rückwärtsgewandten Gedanken begleitet: »Wie war das damals, vor kurzem noch? Warum musste das alles so kommen? Wie kann man das alles erklären?«

Und dann kommt der Auferstandene dazwischen und holt sie aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Nach und nach kommen sie im Heute an, bitten ihn schließlich: »Bleib doch jetzt bei uns.« Und dann erkennen sie ihn in der Vergegenwärtigung des Brotbrechens. »Ich bin da.«

Die Ostergeschichten bezeugen die Gegenwart des Auferstandenen. Und sie meditieren die Unmöglichkeit, seine Anwesenheit zu sichern. Die menschlichen Versuche, Jesus festzuhalten, sind zum Scheitern verurteilt. Maria von Magdala erfährt das am ausdrücklichsten. Gerade hat sie den Auferstandenen erkannt, da hört sie schon sein Wort: »Halte mich nicht fest« (Joh 20,17). Die Emmaus-Wanderer sehen ihn nach dem Brotbrechen plötzlich nicht mehr. Jesus ist durch den Tod nicht totzukriegen und er lässt sich auch in menschliche Festhalteversuche nicht einsperren. »Ich bin der ›Ich bin da‹.« Das Gotteswort vom Horeb wird für die junge Jesus-Gemeinde Wirklichkeit.

Er ermutigt sie, heute die Schuhe auszuziehen, die »dicken Sohlen« abzulegen, sich der eigenen Schrunden nicht zu schämen und sich von ihm bedienen zu lassen. Die Flamme seiner Liebe, die unter der Zerstörungswut der Folter nicht erstickt, sondern im Antlitz des Dornengekrönten leuchtet, brennt heute. Sein Leben und seine Botschaft ist für diejenigen, die zu ihm gehören, nicht Vergangenheit, sondern: Er ist gegenwärtig, er wird im Heute zur lebensbestimmenden Wirklichkeit.

Können wir uns darauf verlassen? So dankbar wir für gute Erinnerungen sein dürfen und so sehr wir aus den Zeugnissen der Bibel sowie den Erfahrungen anderer Glaubender leben, so sehr werden wir als Ostermenschen ermutigt, »im Heute Gottes zu leben« und »den gegenwärtigen Augenblick zu feiern« (Frère Roger Schutz). Vertrauen wir darauf und singen wir mit den Osterliedern: »Vom Tode heut erstanden ist …« (GL 324) und »Das ist der Tag, den der Herr gemacht, lasst uns frohlocken und seiner uns freuen« (GL 335).

Siegfried Kleymann

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