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Leseprobe 2
Achtzehnter Sonntag – 31. Juli 2011
II. Im Überfluss – nehmen und geben (Mt 14,13–21)


Zielsatz: Die Hörerinnen und Hörer sollen angeregt werden, das weiterzugeben, was ihr Leben nährt und was ihnen inneren Frieden verleiht.


Der Hunger unterschiedlichster Menschen– in vier Evangelien sechs Mal erzählt
Sechs Mal wird uns in den vier Evangelien auf unterschiedliche Weise das Brotwunder durch Jesus und seine Jünger erzählt. Bei den Evangelisten Markus und Matthäus gibt es je zwei Schilderungen dieser wundersamen Brotvermehrung. Im ältesten Evangelium, bei Markus, sind die Unterschiede zwischen dem ersten und zweiten Brotwunder in kleinen Nuancen am deutlichsten geschildert. Zuerst heißt es, dass 5000 Mann am Westufer des Sees zusammenkommen. Das sind Juden, die am Morgen zu Jesus kommen, die ihn sehen und ihm zuhören wollen, bis es Abend wird. Anschließend rudern die Jünger sehr mühsam bei viel Gegenwind hinüber auf die andere Seite des Sees, an das Ostufer. Dort kommen 4000 Menschen drei Tage lang aus den hellenistisch geprägten Städten zusammen. Auch sie wollen zu Jesus. Sie sehnen sich nach Heilung. Markus erzählt sehr deutlich: Juden und die Menschen aus allen Völkern wollen Jesus hören und ihm nah sein. Sie wünschen sich das Brot, das er zu geben hat.

Jesus bietet Nahrung für Körper und Seele
Im hebräischen bedeutet Brot so viel wie »Schalom«. Es geht nicht nur um das Sattsein des Körpers. Es geht um inneres Wohlbefinden. Es geht um das, was ich insgesamt als Mensch zum Leben brauche. Im Brot ist enthalten: Wertschätzung, Anerkennung, Sinn, Orientierung, Gemeinschaft, innerer Friede. Das hat Jesus zu bieten. Das kann er geben.

Diese Nahrung der Güte Gottes gibt es im Überfluss – sie ist grenzenlos für alle da
Der Schluss dieser sechs Erzählungen der Brotvermehrung ist bei allen Evangelisten gleich. Es bleibt Brot im Überfluss übrig. Zwölf Körbe (Mk 6, Mt 14, Lk 9, Joh 6) oder sieben Körbe (Mk 8, Mt 15) voller Brot werden jeweils wieder eingesammelt. Das Brot wird gehütet und geschätzt. Es wird nicht weggeworfen, sondern dient weiter als Nahrung. Es ist nicht aufgebraucht. Es gibt genug davon. Wer sich um Jesus versammelt, macht die Erfahrung, dass die Güte Gottes kein Sparmodell ist. In Jesus fließt der »Schalom« Gottes über. Gottes Erbarmen ist grenzenlos – alle werden davon satt: die religiösen »Insider« genauso wie diejenigen, die keine religiösen Übungswege kennen, die sich aber nach einem erfüllten Leben sehnen. Für alle ist Jesus der Hirte. Für alle hat er genug. Das ist seine Sendung.
In diese Verantwortung nimmt Jesus die Jünger mit hinein. Sie bekommen von ihm Brot und sie haben die Aufgabe, es auszuteilen. Bei der Überfahrt von der Westseite auf die Ostseite des Sees Gennesaret im Markusevangelium spüren sie den Gegenwind, der ihnen entgegenschlägt, als sie sich zu den Menschen aufmachen, die religiös ungeübt sind, die sich aber nach wahrem Leben sehen. Das ist ihre Sendung.

Von diesem Brot leben wir – dieses Brot geben wir
Bevor die Jünger das Brot austeilen, empfangen sie es von Jesus. Sie nehmen, bevor sie weitergeben. Ihre Sendung nährt sich von dem, was sie durch Jesus erhalten. Das Evangelium lädt uns ein, beide Bewegungen unseres Herzens zu bedenken: Das Nehmen und das Geben. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre mitten drin in dieser Szene – mit dabei unter den vielen Menschen: Wo würde ich mich im Moment am ehesten wiederfinden? Finde ich mich in der Menschenmenge? Sehne ich mich mit den vielen Menschen nach den Worten und der Nähe Jesu und nach dem grenzenlosen Erbarmen Gottes? Sehne ich mich nach Sinn, Heilung, Frieden, Stärkung? Wer gibt mir, was ich zum Leben brauche? Was nährt und stärkt mich? Was darf ich empfangen? Oder finde ich mich wieder beim Austeilen der Brote zusammen mit den Jüngern, weil ich anderen etwas zu geben habe? Finde ich mich wieder im Weitergeben dessen, was den Körper und die Seele nährt? Was ist meine Sendung? Für wen bin ich da? Was habe ich zu geben? An wen gebe ich materielle Güter weiter? Wen nähre ich durch Worte, Wertschätzung, Anerkennung? Wer darf Anteil nehmen an meinem innerem Frieden, meiner Hoffnung, meinem Glauben? Hilde Domin beschreibt in ihrem Gedicht »Nimm den Eimer« das Wechselspiel von Geben und Nehmen als die Lebensaufgabe von uns Menschen.

Nimm den Eimer

Nimm den Eimer
trage dich hin
Wisse du trägst dich
zu Dürstenden
Wisse du bist nicht das Wasser
du trägst nur den Eimer
Tränke sie dennoch

Dann trage den Eimer
voll mit dir
zu dir zurück

Der Gang
hin und her
dauert ein Jahrzehnt

(Du kannst es fünf- oder sechsmal tun
vom zwanzigsten Lebensjahr an gerechnet)

Wir Menschen sind nicht das Wasser, von dem Hilde Domin erzählt und wir Menschen sind nicht der Schalom und das Brot, das Jesus im Evangelium verteilt. Beides liegt bei Gott. Wir brauchen es für unser persönliches Leben. Wir Menschen sind nicht das Brot und wir sind nicht das Wasser und doch wird beides durch uns weitergegeben – grenzenlos an alle. Das ist unsere Sendung.


Katja Endl

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