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Leseprobe 1
Zweiunddreißigster Sonntag – 08. November 2009
I. Elija, Prophet für das Leben (1 Kön 17,10–16)

Zielsatz: Die Erzählung von Elija und der Witwe von Sarepta soll als Ermutigungsgeschichte für unser Leben, Handeln und Entscheiden ausgelegt werden.


Hinführung zur Lesung
Heute hören wir in der Lesung vom Propheten Elija. Er gilt im Alten Testament als Vorkämpfer und Streiter für den Jahweglauben und die ausschließliche Verehrung des einen Gottes in Israel, des Gottes Jahwe. Elijas Name ist Programm: Eli-Yahu – »Mein Gott ist Jahwe«.
Unserer Erzählung geht voraus: Elija verhängt im Namen seines Gottes eine Dürre über das Land wegen der fortgesetzten Sünden des Königshauses. In dieser Zeit der Dürre wird Elija von seinem Gott auf wunderbare Weise am Leben erhalten: Zunächst am Bach Kerit, dann bei der Witwe von Sarepta, im ausländischen Phönizien.

Wunderbare Lebenserhaltung

Auf dreierlei Weise wird Elija während der Dürre am Leben erhalten:
Auf natürliche Art: Durch das Wasser aus dem Bach Kerit. Sodann auf übernatürliche Art: Durch die Raben, die Gott selber als himmlische Boten mit Brot und Fleisch schickt. Und schließlich durch menschliche Hilfe, und zwar durch eine ausländische Witwe. Dies ist ein Paradox, denn Witwen stehen auf der untersten sozialen Stufe der damaligen Gesellschaft. Wenn eine Frau nach dem Tod ihres Mannes nicht wieder in ihre alte Familie zurückkehren konnte, stand sie schutz-, recht- und mittellos da. Eine Witwe konnte sich kaum selber am Leben erhalten, geschweige denn jemand anderen ernähren. Und doch geschieht dies in der Erzählung: Denn Gott selber ist es, der der Witwe von Sarepta den Mut gibt, den Ausländer zu versorgen; Gott selber belohnt den Mut der Witwe, in dem er aus dem Wenigen der Witwe Fülle und Überfluss macht. So wird Elija ernährt und die Witwe bleibt mit Haus und Sohn wider allen Erwartens am Leben.

Kleine Anfänge – Große Wirkung
Die Geschichte von der Witwe, die den Propheten Gottes am Leben erhält, ist vor allem zu unserer Ermutigung erzählt. Denn sie zeigt, was aus kleinsten Anfängen werden kann, wenn wir nur wagen, anzufangen und mit dem Wenigen, was wir haben, zu handeln beginnen. Die Witwe ist uns Vorbild, weil sie – sogar wider besseres Wissen – mit dem wenigen Öl und dem verbliebenen Mehl zu handeln beginnt. »Öl und Mehl«, das steht für unsere wenigen und stets begrenzten Kräfte. Doch wenn wir sie einbringen, vielleicht mit anderen bündeln können, kann Großes aus kleinsten Anfängen entstehen. Solche Anfänge könnten sein: Ideen, die zünden, Pläne, die wir hegen und durchführen, Initiativen, die wir anpacken. Man könnte die Botschaft dieser Begebenheit auch wie folgt ausdrücken: »Höre nie auf, anzufangen; fange nie an, aufzuhören«.

Wider alle Verzagtheit
Die Geschichte ist gegen unsere Ängstlichkeit und Verzagtheit in vielen Dingen erzählt. Bei der Witwe wird diese Ängstlichkeit und Verzagtheit durch das »Fürchte dich nicht« des Propheten gebrochen, das er der Witwe im Auftrag Gottes zuruft. Dieses »Fürchte dich nicht« lässt die Witwe ans Werk gehen und mit dem Wenigen den Propheten versorgen. Dieses »Fürchte dich nicht« ist in der ganzen Bibel angeblich 365 mal geschrieben, also für jeden Tag des Jahres einmal, damit wir unsere vielen Ängstlichkeiten überwinden und zu handeln beginnen.
Ängstlichkeit, die befällt leider oft auch die Verantwortlichen der Kirche unserer Tage. Sie sind nicht selten vom »Geist der Verzagtheit« besetzt, der sie hemmt, die längst fälligen Reformen mutig anzugehen und der Kirche ein neues Gesicht zu geben. So ist das »Fürchte dich nicht« unserer Geschichte gerade auch ihnen zugerufen.

Begegnung mit dem Fremden
Die Geschichte von der Witwe von Sarepta ist erzählt gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, die es auch in der damaligen Zeit und Gesellschaft gab. Die Witwe hat keinerlei Vorbehalte gegenüber dem ausländischen Propheten, der ganz anders denkt und einen anderen Gott verehrt. Sie begegnet ihm vorurteilslos, ja, sie teilt mit ihm das Letzte, was sie hat, und wird reich dafür belohnt: Was sie von sich weggegeben hat, bekommt sie vielfach zurück.
Wir erfahren es immer wieder durch die vielen guten Kontakten und Partnerschaften mit Ausländern und ausländischen Gemeinden: Aus der offenen und vorbehaltlosen Begegnung mit den Fremden, mit anderen Kulturen und Religionen können wir nur gewinnen für unser Leben, unseren Glauben, für unsere Person.

Eine Witwe als Vorbild

Eine Witwe wird auch im heutigen Evangelium als leuchtendes Vorbild von Jesus vorgestellt: Sie gibt alles, was sie hat, sie gibt in rechter Gesinnung, sie schenkt ihre ganze Person (Mk 12,41–44).

Theodor Seidl

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