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Die Schriftleitung
Wort an die Leser
Theologie? Ach ja, ich komm’ einfach nicht dazu. Außerdem: Eine gesunde Spiritualität ist mir wichtiger. In der heutigen Theologie wird mir zuviel problematisiert und zerredet. – Der Stoßseufzer eines Praktikers. Wer würde ihn nicht verstehen. Aber von einem Theologieprofessor wird man nicht erwarten dürfen, dass er sich damit zufrieden gibt.

Es kann ja nicht sein, dass man sich mit dem Diplomexamen aus der intellektuell anspruchsvollen Diskussion über die Verantwortbarkeit des christlichen Glaubens abmeldet. Wer das so sieht, den wird diese Diskussion schneller einholen, als er seine theologischen Fachbücher auf dem Speicher entsorgen könnte – wenn er sich noch davon berühren lässt, was die Menschen »draußen« bewegt. Die Debatte um den »neuen Atheismus« ist das jüngste Beispiel. Wir haben Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im zu Ende gehenden Jahrgang dazu eine Predigtreihe von Klaus Müller angeboten; theologisch anspruchsvolle Kost, in der Münsteraner Universitätskirche tatsächlich als Predigten gehalten.

Soviel geballte Theologie wird die Kanzel nicht überall vertragen. Aber Predigerinnen und Prediger sollten sie sich mitunter selbst auftischen lassen, auch wenn ihnen für ihr geistliches Leben spirituelle Fast Food-Ernährung bekömmlicher scheint. Theologie mag mitunter kaum verdaubar sein. Wie in anderen Wissenschaften auch, kommt hier viel Unausgegorenes und Halbgares auf den Tisch. Aber kann die Zuflucht beim »Spirituellen« nicht auch Flucht sein: Ablenkung von Glaubensfragen, denen ich mich intellektuell und theologisch nicht gewachsen fühle? Man sollte ein schlechtes intellektuelles Gewissen nicht spirituell übertönen. Es zeugt von authentischer Spiritualität, dass man nicht nötig hat, wichtigen Glaubensfragen auszuweichen und Ressentiments gegen die zu entwickeln, die sie stellen. Theologische Arbeit kann vielmehr Quelle der Spiritualität sein, wenn sie die Zuversicht stärkt, auch bei intellektuell und existentiell herausfordernden Fragen verantwortlich bestehen zu können. Wer nicht daran arbeitet, dass diese Zuversicht einen guten Grund findet, versündigt sich an »seiner« Spiritualität. Er läuft Gefahr, sie mit einem schlechten intellektuellen Gewissen zu vergiften. Man fährt nicht gut mit falschen Alternativen; und die zwischen Spiritualität und Theologie gehört zu den abgründig falschen.

Zum Ende dieses Kirchenjahres grüße ich Sie auch im Namen der Mitredakteure

Ihr

Jürgen Werbick

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