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Leseprobe 2
Zum Synodalen Weg
I. Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium. Fünf Kurzpredigten am Anfang der Fastenzeit
Bekehrung und Evangelisation – zwei Seiten einer Medaille

»Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.« Mit diesem Wort wird uns zum Beginn der Heiligen Vierzig Tage die Asche aufgelegt (vgl. Messbuch, Aschermittwoch). Dem Evangelium zu glauben beginnt mit einer Konversion. Die Evangelisierung fängt bei den Glaubenden an: indem sie sich umdrehen, indem sie eine andere Blickrichtung einnehmen, in dem sie die eingetretenen Pfade und gewohnten Perspektiven hinter sich lassen. Indem sie anders denken und handeln. Wie sich diese Umkehr auf andere auswirkt, welche Konsequenzen sie hat, wird sich zeigen. Zunächst geht es um die innere Wende.

Beim »Synodalen Weg«, den die Kirche in Deutschland gegenwärtig beschreitet, geht es um diese Umkehr. Im Umgang mit der Macht. In der Würdigung der Sexualität. Im Zusammenspiel der vielfältigen Begabungen. »Es liegt vieles im Argen bei uns.« Das war der Umkehrimpuls beim Synodalen Weg. »So kann es nicht weitergehen, können wir nicht weitergehen. Wir müssen uns ändern, damit wir dem Evangelium glauben können. Nur als Geänderte werden wir die Welt ändern.«

Mit dem persönlichen Auftragen des Aschenkreuzes ist der Umkehr-Ritus sehr konkret. Es geht um jeden einzelnen, jede einzelne. Meine Lebenshaltung hat Konsequenzen: mein Umgang mit Macht, meine sexuelle Lebensenergie, meine Freude an anderen Begabungen und der Begegnung mit anderen Menschen, meine Achtung vor der Schöpfung Gottes. Jede Umkehr zieht Kreise, schafft Neues und verändert die Welt. Wer das Aschenkreuz empfängt, zeigt die Bereitschaft, anzufangen. Und widersteht der Versuchung, zuerst auf die Änderung der anderen, der Gesellschaft oder der Weltkirche zu warten. Denke global, beginne lokal.

Wenn Frauen und Männer bei den Foren des Synodalen Weges danach suchen, wie konkret und vor Ort die Umkehr zu einem glaubwürdigen, dem Evangelium gemäßen Christsein gelingen kann, ist das ein Dienst an der Weltkirche. Begleiten wir sie im Gebet, mit kritischer Selbstref lexion und der Bereitschaft, uns zu ändern. Fangen wir an und vertrauen wir dem Aschermittwochsruf: »Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.«

Vom Mut, sich in Frage stellen zu lassen


»Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.« Mit diesem Auftakt eröffnet Markus sein Evangelium. Unmittelbar danach folgt der Weckruf: »Bereitet den Weg des Herrn.« (vgl. Mk 1,1–3) Mit dem Auftakt verbindet sich eine Aufforderung. Es fängt etwas Neues an und an diesem Anfang sind die Hörenden beteiligt. Gottes Geist wirkt bereits dort, wo Menschen sich aus der Ruhe bringen lassen, ihrer Sehnsucht trauen und sich von ihren Fragen herausfordern lassen. Wann und wie der Herr kommt, bleibt im Auftakt des Markusevangeliums offen. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich dem Unvorhergesehenen zu öffnen, und der Mut, sich in die Unsicherheit der Wüste zu begeben.

Wenn der Synodale Weg von der Bereitschaft inspiriert ist, sich den Fragen unserer Zeit zu stellen und sich in Frage stellen zu lassen, findet darin Evangelisation statt. Die Frage nach der Überwindung konfessioneller Zementierungen, die Suche nach einer Würdigung der Sexualität in ihren vielfältigen Formen, Schritte zu einer dem Evangelium gemäßen Gestaltung des Weiheamtes für Männer und Frauen und in allem die Suche nach der Gegenwart Gottes in unserer heutigen Welt – all das sind Schritte, das Evangelium Jesu Christi zu leben und »dem Herrn den Weg zu bereiten.«

Unterstützen wir die Gespräche des Synodalen Weges, indem wir uns in dieser Zeit der Umkehr danach fragen: Welche Hindernisse und Blockaden, Abhängigkeiten und (Selbst-)Fixierungen kann ich in meinem Leben wahrnehmen? Wie begegne ich den Fragen, die sich mir stellen? Und wie wird meine Sehnsucht nach einem erfüllten Leben in der Gestaltung meines Alltags spürbar?

Beten, fasten, Almosen geben: in der Liebe wachsen

Die Wegweisungen des Aschermittwoch-Gottesdienstes sind deutlich: Übt das Beten, das Fasten und das Geben von Almosen (vgl. Mt 6,1–6.16–18). Übt es als innere Haltungen – »im Verborgenen« – und vergesst, welchen Profit ihr im Ansehen der Anderen davon gewinnen könntet. Im Dreiklang des Evangeliums »Gebet, Fasten, Almosen« klingt die Trias »Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe« an: »Richtet euch betend aus auf Gott. Achtet fastend auf euren Leib. Schaut auf das Zusammenleben mit den Nächsten und teilt mit den Bedürftigen. Vertraut darauf, dass ihr in der Liebe wachsen könnt. Da geht noch mehr.«

In der Liebe wachsen: Das ist einerseits ein inneres Geschehen. Ohne Skala, an der man das Wachstum messen könnte. Ohne Präsentationsergebnisse. Ohne Funktionalitätsgarantie. In der Verborgenheit leuchtend ist die Liebe in den Augen Gottes kostbar.

Zugleich zeigt sich die Liebe in konkreten Handlungen: Hungrigen Brot geben, Sklaven freilassen, Obdachlosen Heimat geben, die Fesseln des Unrechts lösen (vgl. Jes 58,6–7 |Freitag nach Aschermittwoch) Immer ist hier der Maßstab das Leben der anderen: ihre Hilfsbedürftigkeit, ihr Schrei, ihr Leiden. Maßgeblich ist die Frage: Was dient ihnen?

Das ist ein Perspektivwechsel. Nach dem zu fragen, was den Anderen gut tut, ändert meinen Blickwinkel. Es holt mich heraus aus der Selbstbezogenheit und bringt mich ins Gespräch. Es lässt mich von den Anderen her denken und die Welt mit ihren Augen sehen. An die Stelle der Bevormundung (»Ich weiß schon, was für dich gut ist.«) tritt die Aufmerksamkeit für die Person des Anderen, wie sie sich in der Jesusfrage äußert: »Was willst du, dass ich dir tue?« (Mk 10,51)

Mögen die Beratungen des Synodalen Weges ebenso wie das persönliche Fragen nach einem glaubwürdigen Lebensstil von diesen Haltungen geprägt sein: vom Vertrauen, dass wir in der Liebe wachsen können; vom Gespür für den Zusammenhang von innerer Haltung und äußerer Handlung; vom aufmerksamen Hören auf die Bitten und Erfahrungen der notleidenden Anderen.

Auseinandersetzen und zusammenhalten

Mit wem sitzt Jesus zusammen? Diese Frage führt zur Auseinandersetzung (vgl. Lk 5,27–32, Samstag nach Aschermittwoch). Der Ärger steht den Religionsvertretern ins Gesicht geschrieben: Wer sich kritiklos mit den Sündern gemein macht, verrät die Substanz des Glaubens und die Glaubwürdigkeit der Gottesbotschaft. Was hält die Religionsgemeinschaft zusammen, wenn es nicht klare Differenzierungen gibt: in Gut und Böse, sündig und gerecht, drinnen und draußen? Wird Jesus zum Rabbi der Beliebigkeit?

Offensichtlich hat Jesus keine Angst vor der Auseinandersetzung und vor der Aufregung um sein Verständnis vom nahegekommenen Gottesreich. Wo Grenzen überschritten werden, Neues gewagt und Ungewohntes gelebt wird, entstehen Spannungen. Lassen sie sich aushalten? Was gibt die Kraft zum Zusammenhalten in der Auseinandersetzung?

Die vielen biblisch bezeugten Streitgespräche mit den Pharisäern zeugen davon, dass auch sie weiterhin mit Jesus in Kontakt sind. Sie sind und bleiben seine religiöse Bezugsgruppe: neugierig, argwöhnisch, angetan und immer theologisch diskussionsfreudig. Ob diese spannungsvolle Beziehungsgeschichte ein Vorbild für die gegenwärtigen kirchlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sein kann? Vielleicht kann uns die Zeit der Umkehr, die wir in der Bereitung des Osterfestes begehen, sensibel machen für die Spannungen, in denen wir leben, und uns stärken in der Suche nach einer christlichen Streitkultur.

Dem Leben trauen


»Wähle das Leben!« So lautet programmatisch die Aufforderung in der Lesung am zweiten Tag der Fastenzeit (vgl. Dtn 30,15–20). Ist das nicht selbstverständlich? Wenn wir vor die Alternative Leben oder Tod, Glück oder Unglück gestellt werden: Wer wählte nicht das Glück und das Leben? Wozu dann diese Aufforderung am Beginn der »Heiligen Vierzig Tage«?

Wenn wir Ostern als Fest der Auferstehung und des Lebens feiern, werden wir zuvor mit den Mächten des Todes und Strukturen des Bösen konfrontiert: mit der Herzensverhärtung, Gleichgültigkeit, Destruktivität und Arroganz, die – warum auch immer – in unserer Welt und unserer Kirche herrschen. Vor dem Osterfest steht der Karfreitag. Die Auferstehung Jesu Christi zu feiern heißt: Wir vertrauen darauf, dass diese Todesmächte nicht das letzte Wort haben. Und wir sind so frei, ihnen ins Angesicht zu schauen, ihnen Widerstand zu leisten und uns von ihnen nicht lähmen zu lassen. Das im Geiste Jesu zu tun, ist gelebtes Evangelium.

Den Frauen und Männern, die sich synodal für eine glaubwürdige Kirche einsetzen, gebührt Dank für ihre Bereitschaft, ihre Energie und ihr Gottvertrauen. Verbinden wir uns mit ihnen, indem wir in unserem Alltag der Einschüchterung, der Engherzigkeit, der Besserwisserei, der Bequemlichkeit und allen weiteren Mächten des Todes zu widerstehen suchen. Und suchen wir in dieser Zeit vor Ostern danach, was das Wort für uns bedeutet: »Wähle das Leben!«

Während seiner Haft schrieb der Jesuit Alfred Delp SJ, der unter der Nationalsozialistischen Diktatur wegen seines Widerstandes im Kreisauer Kreis zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 hingerichtet wurde, im Gefängnis mit gefesselten Händen: »Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht alleine leben, sondern weil Gott es mit uns lebt.« Beten wir uns im Zugehen auf das Osterfest, im Angesicht des Todes, in dieses Vertrauen hinein: dass wir dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

Siegfried Kleymann

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