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Leseprobe 2
Sechsundzwanzigster Sonntag – 29. September 2013
IV. Lesepredigt: Warnung! (Lk 16,19–31)

Eine erbauliche Predigt kann das heute nicht werden. Das Evangelium ist ungemütlich. Es klingt wie eine Warnung, und genau das ist es auch. Ein Mann wird uns gezeigt, der schreckliche, qualvolle Schmerzen leidet. Von einem Feuer ist die Rede und er bettelt um wenigstens einen Tropfen Wasser auf die Zunge. Natürlich glauben wir nicht, dass es so einen Ort der Qual, so eine Unterwelt wirklich gibt, ebenso wenig, dass es den Schoß Abrahams so real wie hier beschrieben gibt. Und doch geht es um eine Glaubensfrage. Es geht darum, ob wir der Warnung glauben, die uns in diesem Jesuswort aus dem Lukasevangelium erreicht. Ihre Aussage ist klar: Verhalte Dich um Himmels Willen nicht so, wie es der Reiche hier tut! Dass er es sich gut gehen lässt, sich feine Kleider leistet, das ginge ja noch; und es fällt uns leicht, uns noch allen möglichen anderen Luxus vorzustellen. Aber dass vor seiner Tür ein armer Mann am krepieren ist, von einer Krankheit befallen und am verhungern, und der Reiche nimmt ihn nicht wahr, und falls er ihn wahr nimmt, tut er jedenfalls nichts dagegen: Das ist nicht zu entschuldigen. Da verhalten sich seine Hunde, die die Wunden lecken, ja noch menschlicher. Solche Blindheit und Hartherzigkeit wird sich fürchterlich rächen, so die Warnung.

Einer Warnung zu glauben und zu folgen ist immer so eine Sache. Die spontane Reaktion ist meistens abwehrend. Sie kennen solche Situationen: »Jetzt zieh eine Jacke an, sonst wirst du krank!« – »Ach Mama, jetzt übertreib mal nicht, mir ist nicht kalt, wir haben erst September und die Sonne scheint doch.« Oder: »Nimm lieber das Fahrrad. Ihr trinkt ja doch wieder ein Bier oder mehr. Und wenn du dann in einen Unfall verwickelt bist, wirst du nicht mehr glücklich! « – »Jetzt reg dich nicht auf. Ich kenn die Strecke in und auswendig, da fährt das Auto ganz von allein.« Oder: Jetzt geh endlich zur Vorsorgeuntersuchung. Sonst ist es irgendwann zu spät, und es ist nicht mehr heilbar.« – »Was hast du denn schon wieder. Ich bin gesund. Ich geh dann schon irgendwann mal.«

Wer nicht hören will, muss fühlen. Meistens ist das so. Erst aus Erfahrung wird man klug. Das Dumme ist: Es gibt Situationen, da gibt es keinen Warnschuss. Da ist gleich der Ernstfall da. Der erste Unfall, den man nicht vermeiden konnte, weil man wegen Alkohol nicht schnell genug reagieren konnte, muss nicht harmlos verlaufen und als Warnung dienen. Wir sind darauf angewiesen, anderen, die Erfahrung haben, zu glauben. Wichtige Warnungen dürfen wir nicht in den Wind schlagen. Sonst kann es das erste Mal bereits zu spät sein. Viel hängt dabei davon ab, wer etwas sagt. Dem einen folgt man leichter, dem anderen nicht. Das hat viele Gründe, denen wir jetzt nicht im Einzelnen nachgehen brauchen. Denn die Frage heute ist ganz einfach: Glauben wir der Warnung Jesu im Lukasevangelium: Verhalte dich ja nicht wie der Reiche, der den Lazarus in seinem Elend lässt, obwohl er ihn da rausholen und ihm ein würdiges Leben verschaffen könnte. Du würdest das bitter bereuen! Achte auf die Not vor deiner Tür.

Leicht ist es, ja zu sagen. Und ich gehe davon aus, dass keiner von uns jemanden vor der eigenen Haustür verkommen lassen würde. – Nicht mehr ganz so leicht ist es, sensibel zu werden für die Vielfalt der Not, vor der eigenen Tür, aber auch vor den Türen unseres reichen Landes und unseres reichen Kontinents. Menschen, die froh sind, das zu bekommen, was vom Tisch der reichen Länder fällt, gibt es genug. – Und noch ein wenig schwieriger ist es, dann die richtige Art zu helfen zu finden. So dass wirklich ein Weg heraus aus Armut und Not entsteht.

Heute keine Predigt Jesu vom gütigen Vater im Himmel, von einem Leben frei wie die Vögel am Himmel, von einer Barmherzigkeit, die alle umfasst. Heute eine handfeste Warnung. Auch das gehört zu Jesus. Wer ihm die frohe Botschaft glaubt, mag ihm heute auch die Warnung abnehmen: Du wirst es bitter bereuen; achte lieber auf die Not vor deiner Tür.

Thomas Luksch

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