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Leseprobe 1
Sechzehnter Sonntag im Jahreskreis
II. Kommt, ruht ein wenig aus! (Mk 6,30–34)

Zielsatz: Die Hörerinnen und Hörer sollen ermutigt werden – wie die Jünger durch Jesus –, neu ihren Rhythmus von Anspannung und Entspannung zu suchen.


Nicht einmal Zeit zum Essen

»Sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen« (Mk 6,31). – Die Apostel, die von Jesus zu zweit in die Dörfer ringsum zur Missionsarbeit geschickt worden sind, die haben ganz schön zu tun, so berichtet das Markus-Evangelium einige Abschnitte vorher: Sie rufen die Menschen zur Umkehr auf, sie treiben viele Dämonen aus, sie heilen viele Kranke (Mk 6,12f ). Viel gibt’s zu tun im Missionsalltag, von morgens bis abends geht es offensichtlich durch, oft geht es regelrecht rund. Das zehrt an den Kräften, das geht an den Nerv, das laugt aus, das bringt Müdigkeit und Erschöpfung – und nicht einmal Zeit zum Essen ist!

Auch wenn wir nicht die zwölf Apostel sind, kennen wir aus unserem Alltag vielleicht auch so etwas Ähnliches: Massive Beanspruchung durch die Aufgaben des Tages, durch Leistung im Beruf oder in der Familie, durch Menschen, die etwas von uns wollen – meistens sofort –, durch Menschen, die etwas fordern, die nicht fragen, ob’s uns gerade recht ist, die erst recht nicht fragen, wie’s uns gerade geht, Besucher, Kunden, Anrufer zu fast jeder Tages- und Nachtzeit – und nicht einmal Zeit zum Essen!

Eine gewisse Zeit lang können wir damit schon leben und es hinnehmen, wenn das Geschäft blüht, wenn ein Projekt gut läuft, wenn etwas voran geht, wenn die lieben Enkel uns fordern, wenn der pf legebedürftige Vater uns in Atem hält. Wenn das aber nicht mehr aufhört? Wenn am Arbeitsplatz keine ruhigen Phasen mehr kommen? Wenn das verf luchte Handy keine Ruhe mehr lässt? Wenn die Pf legeperson oder die Kinder oder die Enkel meine begrenzten Kräfte nicht mehr respektieren? Wenn die Beanspruchung also zum Stress wird, wenn wir keine Nerven mehr haben, wenn unser Schlaf gestört ist?

Es wird Zeit zur Unterbrechung


Dann spätestens wird es höchste Zeit, dass das geschieht, was heute im Evangelium erzählt wird: Dass mich da einer anschaut und bei der Hand nimmt und mich einlädt und mir sagt: Komm mit an einen einsamen Platz, wo wir allein sind, und ruh dich aus! (Mk 6,31).

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir dann tun, was die Apostel damals getan haben: die Einladung annehmen, den Betrieb unterbrechen und die Stille aufsuchen. Denn der Sog unserer Alltagshektik ist mächtig, und der äußere oder der innere Druck auf uns ist manchmal so, dass wir meinen, es ginge gar nicht mehr anders, und es ginge nicht ohne uns. Manche von uns haben Angst vor dem Nichtstun, vor der Leere eines ungeplanten Wochenendes, erst recht vor der Pensionierung. Ein kluger Beobachter hat es einmal so ausgedrückt: Das Unglück des Menschen fängt damit an, dass er nicht mehr zwei Stunden mit sich allein in einem Zimmer sein kann.

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit?


Ärzte und Psychologen sagen uns: Der tiefe Grund, warum wir so schwer unterbrechen können, liegt in uns selber. Eine wachsende Zahl von Menschen findet innere Befriedigung erst dann, wenn sie einem andern gegenüber Leistung gezeigt haben, wenn sie sich ihren Wert als Mensch durch besonderen Einsatz bewiesen haben. Sie möchten sich als Erwachsene durch rastloses Arbeiten und Leisten jene Anerkennung holen, die ihnen als Kind vorenthalten worden ist.

Urlaub und Sonntag: sein Geschenk


Jesus unterbricht die rastlose Arbeit seiner Jünger. Er zeigt: Gott will uns heilen durch die Unterbrechung. Er gibt uns zum Beispiel den Urlaub als heilendes Geschenk, damit wir ausatmen und einatmen können und unseren gesunden Rhythmus wieder finden. Er schickt uns Menschen über den Weg, die uns vor der Fortsetzung unserer Hetze warnen: einen guten Freund, eine gute Kollegin, einen guten Arzt, eine wohlmeinende Ehepartnerin – je nachdem. Und: Gott schickt uns jede Woche den Sonntag, den Gedächtnistag der Auferstehung, den Tag, der unsere Betriebsamkeit unterbrechen will, damit wir nicht vergessen, was uns im Leben geschenkt ist: die Natur in ihrer Schönheit, die Zuneigung der Mitmenschen, die Hobbys, die Ruhe, die Freiheit – die Auferstehung zum Leben. Heute feiern wir ihn, diesen Sonntag, diese unsere Auferstehung.

Josef Six

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