|
| Leseprobe 2 |
| KASUALIEN | HEILSZEICHEN: BEAUFTRAGUNG UND AUSSENDUNG |
| Aus Gottes Geist für den Frieden wirken. Zur Firmung |
 |
Es geht um den Frieden
»Der Friede sei mit dir!« Das werde ich euch, liebe Firmandinnen und Firmanden, zusprechen, wenn ich euch gleich firme. Am Ende steht der Friede. Darum geht es. Christen sind zu erkennen daran, dass sie friedfertig sind, dass sie für Solidarität einstehen und sich von allem abwenden, was Streit, Zwietracht und Not hervorbringt. Wenn ich euch den Frieden zuspreche, reiche ich euch dabei meine Hand. Wenn Menschen sich die Hände reichen, können sie nicht gegeneinander kämpfen. Der Friede ist diese Brücke zur Freundschaft, zur Verbindung und Verbindlichkeit untereinander. Genau darum geht es im Christsein: Menschen des Friedens und für den Frieden zu sein, einander die Hände zu reichen und in Freundschaft miteinander zu leben. Dieses einfache Lebensprogramm entspricht nicht nur dem Lebensalter der meisten von euch, die ihr als Jugendliche das Sakrament der Firmung empfangt, sondern bleibt lebensbestimmend für immer. Es geht um den Frieden!
Handauflegung, Salbung, Friedensgruß
Der Firmakt selbst beginnt damit, dass ich euch – nach Glaubensbekenntnis und Gebet – still die Hände auflege und um Gottes guten Geist und seine Gaben für euch bitte. Das Wesentliche der Übertragung des Geistes geschieht durch diesen alten Gestus, der so berührend wie auch vornehm, so einzigartig wie zurückhaltend ist. Es ist ein Gestus, der im Leben so oft nicht vorkommt. Wer aber von euch andere segnet oder selbst gesegnet worden ist, wird ihn kennen. Ein Segen wird oft mit einem solchen Gestus der Handauflegung verbunden. Beim stillen Gebet während der Handauflegung geht es um die Gaben des Geistes, die in Stille übertragen werden. Anschließend mache ich euch mit Chrisamöl, dem Salbungsöl der Christen in der Kirche, ein Kreuzzeichen auf die Stirn. Dies erinnert euch auf zweifache Weise, warum ihr als Getaufte und Gefirmte Christen heißt und Christinnen seid. Wer den Geist Christi empfängt, der ist mit ihm und seinem Kreuz, also auch mit seinen Wunden und seinem Schmerz, verbunden. Es gibt so viel Schmerzhaftes im Leben, das erlöst werden will. Das Kreuzzeichen auf der Stirn mit dem Salbungsöl der Christen erinnert genau daran, bleibt aber dabei nicht stehen. Der Blick wird weiter. Es geht darum, Jesus selber als den Gekreuzigten tiefer kennenzulernen. Wenn wir ein Kreuz als Schmuckstück oder sonstwie tragen, ist es immer ein Hinweis auf den Gekreuzigten, damit auf Jesus selbst. Danach spreche ich euch den Heiligen Geist zu, mit dem ihr besiegelt werdet und so ganz zu Gott und seiner Kraft gehört. Dem schließt sich dann der Friedensgruß an.
Einander den Rücken stärken
Während dieses Geschehens werden eure Firmpatinnen und Firmpaten jeweils ihre rechte Hand auf eure rechte Schulter legen. Die Sakramente werden immer im Rahmen der Gemeinschaft der Kirche gespendet, niemals allein. Im doppelten Sinne erfahrt ihr hier Solidarität. Wenn es im Deutschen heißt: »Ich stärke euch den Rücken« und »Ich stehe hinter dir«, dann ist dies der sprachliche Ausdruck dieser Erfahrung. Beim Empfang der Firmung seid ihr nicht allein. Als Christen seid ihr nicht allein. Christsein braucht immer Gemeinschaft, sowohl im Glaubenszeugnis als auch im Glaubensleben des Alltags. Was die Firmpatinnen und Firmpaten für euch heute sind, das wünsche ich euch auch im Alltag. Als gefirmte Christen sollt ihr Menschen sein, die anderen den Rücken stärken und sie nicht alleine lassen. So steckt in diesem kleinen Gestus, der mit der Spendung des Sakramentes verbunden ist, eine ganz bedeutsame Aufforderung für den Alltag. Wir Christen sind Menschen, die sich von Jesus Christus her verstehen, der uns bis hin zu unseren Wunden ernst nimmt und sie heilen will. Darum sollen wir seine erlösende Kraft im Gebet erfahren und dabei nicht allein bleiben. Die Firmpatinnen und Firmpaten stehen hinter euch und halten euch gleichsam fest. Das braucht es immer wieder im Leben.
Den Glauben bekennen
Die Firmung empfangt ihr in einer Zeit, in der das Glaubenkönnen und Glaubenwollen immer eine jeweils persönliche Entscheidung ist. Kommen auch viele noch aus anderen Zeiten, so müssen wir in dieser heutigen Welt eine persönliche Entscheidung treffen, die eine Erfahrung des Berührtseins mit dem Glauben und durch Gott braucht, hoffentlich auch vermittelt durch Menschen, die eindrücklich ihr christliches Lebenszeugnis gegeben haben und geben. So frage ich euch darum auch zu Beginn der Firmung nach dem Glauben, in dem ich euch firmen darf, weil es der Glaube der Kirche ist, den ihr bekennt, also der Glaube der Gemeinschaft derer, die mit uns zusammen zu Jesus Christus gehören. Dabei bekennen wir, dass wir kein Produkt des Zufalls sind, sondern von Gott kommen, also zur Schöpfung gehören, deren Ursprung Gott selber ist. Wir sind kein Zufall. Wir bekennen, dass wir zu Jesus Christus gehören, den wir erkennen am Friedensgruß und an seinen Wunden, die die Kreuzigung ihm geschlagen hat und die nun beim Auferstandenen geheilt sind. Schließlich bekennen wir den Heiligen Geist, also jene dynamische Kraft Gottes, die euch im Sakrament der Firmung auf besondere Weise zugesprochen wird und ohne die das Leben zum Zeugnis für das Evangelium nicht möglich ist. Schließlich geht dabei nichts ohne das stille Beten und das persönlich offene Herz für Gott, der die Anliegen aller Menschen kennt. Wenn ich nachher über euch bete, werde ich dabei die Gaben des Heiligen Geistes nennen, so wie sie beim Propheten Jesaja aufgeschrieben sind (vgl. Jes 11,1 ff).
Eucharistie feiern: von Christus her leben
Schließlich feiern wir gemeinsam die Eucharistie und tun das, woran die frühen Christen öffentlich erkannt worden sind. Wir sind als Christen Menschen, die so von Jesus Christus her leben, dass sie tun, was er getan hat, und sich schenken lassen wollen, was er uns schenkt: nämlich sich selbst! Darum hören wir sein Wort in der Heiligen Schrift. Darum feiern wir die Eucharistie in der Mahlfeier, in der wir sehen, dass Christus sich ganz für uns hingibt, damit wir leben können. Daraus erwachsen ein Auftrag und eine Sendung in die Welt hinein, in die wir nach jeder Heiligen Messe, so auch nach der Firmung, entlassen werden.
Wo Gott ist, da ist Friede
Was in der Firmung heute geschieht, geschieht in einer Welt voll von Kriegen und Unfreiheit, von Unfriede und Not. Hier sind wir plötzlich Menschen des Weges, die nicht dabei stehen bleiben, was es an Schrecknissen, an Leid und Not gibt, sondern die sich öffnen können für das Gute, von dem alle her leben können. Genau in dieser Dynamik ist es bedeutsam, daran zu erinnern, dass die Jünger, die Jesus bis zu seinem Tod lange kannten, ihn nach seiner Auferstehung an Ostern nicht erkennen, als er ihnen erscheint. Erst als er ihnen den Frieden wünscht und sie seine leuchtenden und verwandelten Wundmale sehen, wissen sie: Er ist da! Was in der Dynamik des Firmsakramentes geschieht, sagt das Gleiche für unser Leben: Wir sollen Christen sein, an denen die Menschen erkennen: Wo der Friede ist, da ist der Glaube. Wo der Glaube ist, da ist Gott. Wo Gott ist, da ist Friede. Und sie sollen zudem erkennen, wie opfersensibel und wundensensibel wir Christen sind. Viel Heil erfahren wir genau da, wo Versöhnung und Vergebung, wo Erbarmen und stille Annahme erfahren werden. So ist ein christliches Leben möglich, das andere bewegen kann.
Im alltäglichen Leben
Schließlich erinnere ich euch daran, dass an Pfingsten, als die Jünger, die den lebendigen auferstandenen Jesus Christus am Friedensgruß und an den Wunden erkannt haben, auf besondere Weise den Heiligen Geist empfangen, der sie zu Zeugen für das Evangelium macht. Dabei geraten sie alle in Ekstase, können alle Sprachen verstehen und in allen Sprachen sprechen. In den vielen Jahren, in denen ich schon als Bischof das Firmsakrament spende, ist mir dies noch nie geschehen! Keine und keiner ist in Ekstase gefallen. Obwohl doch Gottes Geist im Sakrament der Firmung auf sie herabgekommen ist. Ich bin darüber weder traurig noch nachdenklich. Warum? Eine Ekstase am Anfang muss auch durchgehalten werden im alltäglichen Leben. Wenn ihr beim Empfang der Firmung still stehen bleibt und so auch still wieder in die Bank zurücktretet, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Firmung heute ein Beginn ist. Ein Beginn in Stille, der nicht endet, sondern sich fortsetzt im gläubigen Leben im Alltag. Dafür braucht es viel Kraft, Aufmerksamkeit und immer wieder Vertrauen auf Gott und sein Wirken. Das ist – im Bild gesprochen – jene Ekstase, jenes Aus-sich-Heraustreten, für das wir als Christen in der Taufe geboren und durch die Firmung gesandt sind. Es geht um den normalen Alltag, der in der Kraft des Geistes verstanden und gelebt werden will. Und zwar ein Leben lang. Unser Christsein soll uns und andere ein Leben lang begeistern. Genau diesen Geist erbitte ich euch nun und hoffe, dass ihr als Gefirmte, die getauft sind, Männer und Frauen werdet und seid, die dem Frieden dienen in einer verwundeten Schöpfung und in einer besorgten Menschheit. Wo dieser Dienst geschieht, da können anderen die Augen aufgehen. Da bekommen sie Osteraugen und erkennen: Da ist Gott, weil sie Jesus Christus erkannt haben, der als Verwundeter Wunden heilt und den Frieden zusagt.
|
Franz-Josef Overbeck |
|
|
|
|
pastoral.de
|
Das bewährte
BasisProgramm
auf CD-ROM

oder
Die
Web-Plattform
im Browser
 |
Vergleichen Sie hier
|
 |
|
| Bücher & mehr |
|
|