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Die Schriftleitung
Leseprobe 1
Dritter Fastensonntag – 23. März 2014
IV. Lesepredigt: Lebensdurst – Herzensbildung (Ex 17,3–7; Röm 5,1–2.5–8; Joh 4,5–42)

Die Texte dieses dritten Fastensonntags bringen einen für das Menschsein elementaren Lebensdurst zur Sprache: das Verlangen, nicht nur irgendwie über die Runden zu kommen, sondern einem buchstäblich »erfüllten« Leben auf der Spur zu bleiben. Nicht nur dieses Verlangen ist eine grundlegende Menschheitserfahrung, sondern auch das entsprechende Vermissen: die Sorge und Not, dass der Lebensdurst nicht gestillt zu werden vermag …

Mose und das Volk Israel erfahren es auf dem Weg durch die Wüste drastisch: Ist die Befreiung aus der Knechtschaft schon am Ende, ehe das Leben in Freiheit richtig begonnen hat? Hat der Weg heraus aus Ägypten nur in die Ausweglosigkeit eines Durstes geführt, der das Versprechen der Freiheit zu dementieren scheint? »Probe und Streit«, »Massa und Meríba« nennen sie diesen Ort, an dem sich die Frage aufdrängt, bei der es um alles geht: »Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?« (Ex 17,7). Der Psalm 95 hat diese prekäre Exodus-Station ausdrücklich »ins Gebet genommen«; und er zeigt dabei, dass der Lebensdurst die »Herzensbildung« des Menschen betrifft: Wie sehr kann sich das »Herz« – also die innerste Mitte dessen, was Menschen bewegt – in existentiellen Grenzsituationen oder gesellschaftlichen Konf liktlagen »verhärten« (vgl. Ps 95,8)! Wenn Menschen oft genug wie »Vieh« zu »verdursten« drohen (vgl. Ex 17,3), wie sollen sie dann noch das befreiende »Tun« Gottes »sehen« (vgl. Ps 95,9) oder wenigstens das Vertrauen bewahren, »von seiner Hand geführt« (V. 7) zu sein? Wo »hören« sie dann seine »Stimme« (ebd.)? Wie wird das verhärtete Herz neu geöffnet für die befreiende Erfahrung des Exodus?

Auf diese Not reagiert der Römerbrief mit einem Grundsatz christlicher Hoffnung: Die »Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist« (Röm 5,5). Diese Hoffnung – und letztlich nur sie – ist es, die »nicht zugrunde gehen« lässt angesichts der Gefahr, durch den unstillbaren Lebensdurst zunehmend verkrampft und verhärtet zu werden. Den »Zugang« (Röm 5,2) zum »Frieden« (Röm 5,1) mit Gott (und mit uns selbst!) können wir uns nicht selbst geben – er wird uns geschenkt; Jesus Christus ist es, so Paulus, der Menschen diesen Zugang endgültig eröffnet hat. Das Evangelium von der Begegnung zwischen Jesus und der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen spiegelt eindrucksvoll dieses Verlangen nach Stillung unseres Lebensdurstes ebenso wie die Frage nach der »Herzensbildung« angesichts der Gebrochenheit und Spannung menschlicher Existenz. Denn hier wird Jesus selbst geradezu hineingezogen in diese menschliche Suchgeschichte, die wohl immer zugleich Schuldgeschichte wie Sehnsuchtsgeschichte ist. Bemerkenswert: Jesus selbst, vom Johannesevangelium nachdrücklich als Sohn Gottes gezeichnet, ist bedürftig! Es heißt, dass er »müde von der Reise« war (Joh 4,6), und so ist seine Bitte um Wasser nicht eine Art pädagogischer Trick, um mit der fremden Frau ins Gespräch zu kommen. Ein spannungsreicher Dialog – echte Kommunikation – entwickelt sich, weil hier Bedürftigkeit von beiden Seiten ausgedrückt wird. Dadurch kommt das tiefere Verlangen nach »lebendigem Wasser« (Joh 4,10) zur Sprache – jenem Wasser, das im Menschen selbst eine »Quelle« (Joh 4,14) unverlierbaren Lebens werden kann. Die Bitte um dieses lebensnotwendige »Wasser« einer Liebe, die Menschen nicht selbst verbürgen können, aber durch die ihr Leben erst »erfülltes« Leben werden kann: Diese Bitte ist es, die auch über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg verbindet – das erfahren Jesus und die Frau aus Samárien. Wo es Menschen gelingt, gemeinsam nach der Quelle des Lebens zu suchen, sind sie nicht da schon auf dem Weg zu jener Anbetung »im Geist und in der Wahrheit« (Joh 4,23f.), die auch verhärtete Herzen öffnet auf den unbegreiflichen Gott hin? Gottes Liebe selbst ist Quelle des Lebens und Ziel allen Lebensdurstes. Dass Jesus bei der Suche nach dieser Liebe buchstäblich »auf unserer Seite« ist: Liegt nicht darin der Grund jener Hoffnung, dass Gott unsere menschlichen Herzen endgültig zu erreichen vermag?

Martin Rohner

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